Ein paar Meter bis ins Paradies

Ich blinzelte und machte langsam die Augen auf, es war 9:15 Uhr Ortszeit, mit den 9 Stunden Zeitverschiebung 00:15 deutscher Zeit. Da ich 42 Stunden unterwegs durch zwei Zeitzonen gereist war und vor meiner Ankunft in Vanuatu ca. 65 Stunden nicht mehr richtig geschlafen hatte, war ich noch total platt von der Reise. Meine Augenlider waren schwer und ich spürte jede einzelne Faser meines Körpers und mir wurde bewusst, dass sich nun auch der Vorbereitungsstress der letzten Tage in meinem Körper bemerkbar machte. Ich lag einfach so da, das Lattenrost in meinem Rücken spürend und starrte die Decke an.

Der Türgriff, der mir eine neue Welt voller Überraschungen und neuer Begegnungen eröffnen würde war nur 2 Meter entfernt, zum greifen nah.

Doch beim Öffnen der Tür wollte ich bereit sein für diese mir noch unbekannte Welt, aber mein Körper schien noch nicht richtig angekommen zu sein und war gefühlt irgendwo zwischen Bremen – Frankfurt – Singapur und Brisbane hängen geblieben. Ich lauschte in das Rauschen des Windes hinein und nahm das Zwitschern der Vögel und entferntes Stimmenwirrwahr wahr… und was war das?

Musik, Gesang, begleitet von Geklatsche und Trommelrhythmen, klang aus der Ferne in meine Ohren. Sie war mitreißend, fröhlich und beschwingend und lockte mich langsam aus meinem Bett hinaus.

Die Hügel auf und ab erfragte ich mir den Weg in die Innenstadt. Ich kam vorbei an einem Haus, welches zweifach umzäunt und von oben mit einem aufgerollten Maschendrahtzaun versehen war. Zwei Männer gruben ihre Hände in die Schlaufen des Zaunes und schauten sehnsüchtig in die Ferne – erst jetzt begriff ich, dass es sich bei dem Haus um ein Gefängnis handeln musste. Ich war ein wenig verblüfft, denn der Zaun war sicher leicht mit einer einfachen Gartenzange zu durch zwacken und würde für westliche Gefängnisinsassen sicherlich geradezu als Einladung zum Ausbrechen dienen.

Die Männer sahen harmlos aus, doch ich fragte mich was sie wohl verbrochen hatten?

Blume am Wegrand

Blume am Wegrand

Unbekümmert ging ich weiter bis ich den endlos weiten Pazifik erblickte und für einen Moment lang inne hielt um die herrliche Aussicht zu genießen. Ich stieg eine steile Treppe hinunter, die mich in die Stadt führen sollte. Zuvor umgaben mich ausschließlich Einheimische, aber kaum hatte ich einen Fuß in das Zentrum gesetzt wimmelte es von westlichen Touristen, ansonsten war die Stadt an diesem Sonntag recht leer – ja´ fast ausgestorben.

Einladend zum hüpfen.

Einladend zum hüpfen.

Ich bummelte gemütlich durch die Stadt, die meisten Geschäfte hatten bis auf ein paar Reiseanbieter geschlossen. Am Ende des Stadtzentrums lichtete sich die Anzahl der Touristen schlagartig, bis keiner mehr von ihnen in Sicht war. Ich entschloss mich trotzdem, oder gerade deshalb weiter zu gehen und wurde mit einem kleinen Strandabschnitt belohnt. Ich hüpfte ein paar Steine entlang auf´s offene Meer zu und wusste mich glücklich zu schätzen genau in diesem Moment an diesem Ort zu sein.

Manchmal sind es eben nur ein paar Meter mehr bis ins Paradies.

Einen kleiner Teil der "Muschelausbeute"

Einen kleiner Teil der „Muschelausbeute“

Am Strand entlang spazierend entdecke ich zufällig eine schöne Muschel, die mich zum Suchen nach weiteren solch hübscher Muscheln auffordert. Ich habe mich bestimmt schon seit Kindheitstagen nicht mehr auf die Suche nach Muscheln begeben, doch hier am Pazifischen Ozean, wo die Muscheln so andersartig und einzigartig aussehen, macht das Suchen auf einmal wieder tierischen Spaß.

Die Suche nach einem Internet-Café wird da schon ein wenig schwieriger.

Ich laufe die ganze Stadt ab, doch es scheint vergeblich. Schließlich komme ich auf die Idee in dem „Grant Hotel“, dem größten Hotel der Stadt, nach einem Internetzugang zu fragen. Der Herr an der Rezeption mustert mich skeptisch und fordert, dass ich mir zuerst etwas für 1000vt (ca. 8,50€) an der Bar kaufen sollte, bevor ich das Internet nutzen durfte.

Ich winke dankend ab – ich übernachte ja nicht extra in einem Backpackerhostel um dann Unsummen von Geld für die Internetnutzung in einem vornehmen Hotel auszugeben.

Ich habe zwar ein Netbook von zu Hause mitgenommen, doch leider erst in Vanuatu voller entsetzten feststellen müssen, dass der Stecker von dem Aufladegerät meines Netbook´s nicht in den Adapter passt, und somit vorerst unbrauchbar ist. Vor dem Einbruch der Dunkelheit schlender ich zurück ins Hotel und schlafe dort zu einem Bellkonzert von kläffenden Hunden zufrieden ein.

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