Unerwartetes Einreiseverbot

Bei meinem Weiterflug nach Brisbane habe ich weniger Glueck mit meiner Sitznachbarin. Es ist eine korpulente, exzentrische Dame mittleren Alters, deren Oberarme fast dem Umfang meiner Oberschenckel gleichen. Ueber die Groesse des Sitzes schimpfend nimmt sie fast einen Teil meines Sitzplatzes ein und als uns das Essen serviert wird, kann sie nur die Haelfte ihres Klapptisches aufklappen, da ihr die Masse ihrer Koerpers im Wege steht.

Bei einem Film nicke ich ein, als ich wieder erwache und aus dem Fenster schaue erblicke ich einen prachtvollen tiefschwarzen Himmel, dessen funkelden Sterne durch die Klarheit der Nacht zum greifen nahe scheinen.
Am Morgen faerbt sich der Horizont in ein kreaftiges blutrot, dass wie bei einem Aquarell von unten nach oben erst in ein Orangeton uebergeht und schliesslich in einem Gelbton auslaueft. Das war ein Lichterspiel der Sonne wie ich es noch nie zuvor beobachten haben durfte.

In Brisbane gelandet, hatte ich seit ca. 50 Stunden keinen durchgehenden Nachtschlaf mehr gehabt und war total muede und entkraeftet.
Meine Fuesse schmerzten, obwohl ich kaum in den kuerzlich erworbenen Outdoor Sandalen gelaufen war und Druckstellen zeichneten sic h unter den Strimen der Sandalen ab, dabei hatten diese im Schaufenster stehend doch so bequem und gemuetlich ausgesehen.

Ich wollte mich einfach so schnell wie moeglich um die Weiterleitung meines Gepaeckstueckes kuemmern um mich dann erschoepft vor das naechste Gate setzten zu koennen und dort auf meinen letzten Flug zu warten.
Ploetzlich hoerte ich wie mein Name durch die Sprechanlagen in der Flughafenhalle ertoente. Ich begab mich an den naechsten Informationsschalter von “Virgin Australia”, wo mich eine Dame mit spitzen Mund nach meinem Visum fuer Vanuatu fragt. “Ich habe keines” entgegne ich prompt. Sie schaut mich pikiert an und teilt mir mit, dass sie mich ohne Visum nicht weiter reisen lassen koenne, da mein Rueckflugticket nach den zulaesslichen 30-Tagen Aufenthalt datiert sei.
Ich glaube meinen Ohren nicht zu trauen und schaue sie fassungslos an.

“Aber mein Flug geht doch schon in 2 Stunden, den muss ich unbedingt kriegen”

versuche ich mich zu erklearen, doch die Dame am Informationsschalter scheint unbeeindruckt.

Daraufhin teile ich ihr mit, dass ich die Auskunft von dem Abgesandten von der vanuatischen Botschaft in Bruessel habe, dass ich als europaeische Staatsbuegerin vorerst auch ohne Visum einreisen duerfte.

“Well” erwidert sie kuehl “we have another information”.

Aber sie bietet mir an die Botschaft in Vanuatu zu kontaktieren um sich persoenlich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Nach zwei Versuchen ist keener erreichbar.
Ich sehe mich schon wie Tom Hanks in dem Film “The Terminal” am Flughafen uebernachten und frage sie bemueht freundlich, wie wir den weiter verfahren wuerden, wenn sie die Botschaft nicht mehr telefonisch erreichen wuerde.

“Dann kann ich sie nicht fliegen lassen” antwortete sie unberuehrt.

Aufeinmal fiel mir ein, dass ich vor ein paar Monaten eine E-Mail von dem Abgesandten aus Bruessel erhalten hatte.

Ich erzeahle ihr von diesem Blitzgedanken und bitte ihr die Mail zu zeigen. Sie willigt ein und deutet auf die wifi-Zone. Mein Netbook ausgepackt stelle ich entgeistert fest, dass dieser nur noch 1% Energie anzeigt. Noch bevor ich mich in mein Mailpostfach einloggen kann gibt das Geraet seinen Geist auf. Auch mit meinem Smartphone habe ich nicht mehr Glueck. Ich haette losheulen koennen vor Verzweifelung, doch anstatt dessen fing ich an zu lachen.

War das den alles zu fassen? Da war ich einmal um die halbe Welt gereist und kurz vor dem Ende meiner Reise sollte es nicht mehr weiter gehen?!? Nein das konnte wahrhaftig nicht sein!

Ich erblickte eine junge Australierin, aus deren Handtasche ein Mac Book aufblitzte. Nachdem ich ihr kurz von meiner Situation berichte, blickt sie mich mitleidig an und gab mir bereitwillig ihren Labtop.
Nach kurzem Rumstoebern in meinem Mailpostfach fand ich endlich die gesuchte E-Mail mit dem alles entscheidenden Satz:

“As an European Union Passport Holder you do not require a visa to enter the Republic of Vanuatu, You will need to produce a return ticket to the Immigration Officials, if requested, upon arrival into Port Vila.”

Die Dame am Informationsschalter scheint immer noch nicht ueberzeugt zu sein, verspricht mir aber mit ihrem Vorgesetzten Ruecksprache zu halten und meinen Namen bei Neuigkeiten erneut ausrufen zu lassen. “Na die hat Nerven”, denke ich mir, willige aber Kopfnickend ein.
Eine halbe Stunde bitten und bangen vergeht, als ich endlich meinen Namen aus der Sprechanlage erklingen hoere. Ein Stein faellt mir vom Herzen – ein Glueck… ich darf weiter fliegen.

Am Gate angekommen ertoent eine Sirene, die einen Feueralarm einleutet:

“Attention, attention, emergency announcement, emergency announcement, leave terminal immediately by nearest exit, do not use lifts, do not use lifts.”

Eine halbe Evakuierung fand statt, bis die Massen wieder zu ihren Gates zurueck geordert wurden, da sich das Feuer auf einen Teilbereich des Flughafens beschraenkte. Die automatische Durchsage: “Attention, attention…” erfuellte trotzdem noch gefuehlte 60 mal die Flughafenhalle, bevor ich mich zur “Boarding time” ins Flugzeug begab.

Eines stand jetzt schon fest, langweilig war der Beginn meiner Reise sicher nicht.

In Port Vila, der Hauptstadt Vanuatus , werden die Neuankoemmlinge von einer Gurppe Musikern, die hellblaue Bluemchenhaemden tragen, mit sanft- beschwingter Musik willkommen geheissen. Auch wenn die Musik wirklich schoen anzuhoeren ist, frage ich mich ob dieser Anblick die echte Suedsee wiederspiegelt, oder ob den Touristen bei Ankunft nur ihr gewuenschtes Bild von der Suedsee vor Augen gesetzt wird und ich noch eine ganz andere Sichtweise auf die Suedsee erhalten sollte?

Mein Hostel ist nicht wie per Mail abgesprochen vor Ort um mich am Flughafen abzuholen. Doch ehe ich mir eine Alternativloesung ueberlegen kann werde ich angesprochen: “Are you Korinna?” “Yes” entgegne ich verbluefft. Es ist Henry, der CEO des Olympischen Komitees, der mich ganz unerwartet mit seinen zwei Kindern abholen kommt. Ich bin so froh und dankbar ueber diese Ueberraschung, dass ich ihm freudig entgegen strahle. Er strahlt zurueck und dabei blitzt mir ein goldenes Nike Logo auf seinen Vorderzaehnen entgegen.

Als wir in den Bus einsteigen, der her einem Van gleicht, erkundige ich mich nach den Buslinien. Aber Henry schuettelt lachend den Kopf:

“There are bus stopps but our buses go where ever and people get out where ever.”

Ich stimme in sein Gelaechter mit ein. Weiterhin erkundige ich mich nach der Temperatur. Er lacht weiter und teilt mir mit, dass es sehr hei sei. – Ach’ wirklich? ^^ Da waere ich jetzt von alleine gar nicht drauf gekommen denke ich leise bei mir und wische mir eine Schweißperle von der Stirn.

Kurz vor dem Hostel aussteigend bemerke ich, dass Henry gefuehlt jede dritte Person gruesst. Ich frage ihn interessiert, ob er so viele Leute kennt, oder ob e shier normal ist, dass sich alle gruessen.

“We speak the same dialect – they are family” entgegnet er kichernd.

Die Frage, ob sie den direkt Verwandt seien, schien er nicht ganz zu verstehen, doch her bejaht die Frage mit den Worten: “Ja, sie kommen von der gleichen Insel wie mein Vater.”
Ich muss mir vorstellen wie es waere, wenn ich alle Bremer als meine Familie bezeichnen wuerde, weil sie den gleichen Dialekt sprechen wie ich und fange bei dem Gedanken an zu grinsen.

Die hochschwangere Besitzerin des Hostels begruesst mich freudig. Als ich sie frage, ob noch andere Gaeste mit mir in dem vier Bettzimmer uebernachten wuerden, schuettelt sie wehement den Kopf “Nein, nur wenn ich Freunde da haette wuerden sie mit mir in dem Zimmer schlafen.” Ich schmunzelte, das war zwar nicht gerade sehr wirtschaftlich gedacht, aber ein Zimmer ganz fuer mich alleine kam mir in meiner ersten Nacht in Vanuatu genau richtig.

Eingangshalle des Hostels

Eingangshalle des Hostels

Das Vierbettzimmer

Das Vierbettzimmer

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