1. Praktikumstag: vom Fernsehen in die Bar zum Kava trinken

An meinem ersten Praktikumstag kommt Henry, der CEO des Olympischen Komitees, mich von meinem Hostel abholen. Im Haus des Olympischen Komitees angelangt empfangen mich alle herzlich, sie sind beeindruckt, dass ich den weiten Weg von Deutschland auf mich genommen habe um im Fernen und überschaulichen Port Vila ein Praktikum zu absolvieren.

VASANOC (Vanuatu Association of Sports and National Olympic Committee) besteht aus 3 hauptamtlichen und einer Anzahl von ehrenamtlichen Mitarbeitern, die ich bis jetzt noch nicht genau überblicken kann. Die hauptamtlichen Mitarbeiter bestehen aus Henry, James, der das Amt des Sport Development Officers inne hält und Thibu der für das Marketing und die Promotion des Komitees zuständig ist.

Thibu, ist Franzose und nur unwesentlich älter als ich, er ist vor 2 Jahren nach Vanuatu gekommen um für VASANOC zu arbeiten. Er ist muskulös, gut gebaut und gut aussehend, außerdem ist er sehr darum bemüht mir meine Ankunft in Vanuatu so einfach wie möglich zu gestalten. Er erklärt mir, dass er bei seiner Anreise in derselben Situation gesteckt hat wie ich, und dass man als Europäer einen ganz schönen Kulturschock kriegen kann, wenn man zum ersten Mal nach Vanuatu kommt. Zusätzlich sei es ja eh´ schon anstrengend genug sich in einem neuen Arbeitsplatz einzufinden und sich an einem neuen Ort zu orientieren. Auch wenn hier von allen Seiten viele neue Eindrücke auf mich einprallen, ist ein richtiger Kulturschock bis jetzt ausgeblieben, trotzdem bin ich froh, dass Thibu sich gut in meine Lage hinein fühlen kann. – Schade, dass sein Arbeitsvertrag ausläuft und er bereits in 1,5 Wochen zurück nach Frankreich geht.

Desweiteren hat der Volleyball- sowie der Basketball Verband seinen Sitz im Hause des Olympischen Komitees. Als mich eine australische Mitarbeiterin, die schon seit vielen Jahren in Vanuatu lebt, fragt in welcher Unterkunft ich untergebracht bin, ist sie vollkommen schockiert als ich ihr berichte, dass ich in einem Hostel in „Fresh Water 1“ wohne. Mit entsetztem Gesicht fragt sie mich:

„Who put you there?“ „myself“ antworte ich. „Why?“ fragt sie mit aufgerissenen Augen.

Es kommt zu einer Diskussion über meine Unterkunft und keiner kann so richtig fassen, dass ich in „Fresh Water 1“ wohne. Ein Polizeibeamter, (dessen Rolle im Olympischen Komitee ich noch nicht so richtig durchschaue, da er die meiste Zeit in dem Großraumbüro verbringt um dort Fernsehen zu schauen), schaltet sich ein und verkündet bestimmend, dass ich nicht länger dort bleiben könne.

„Was ist denn so schlimm an dieser Gegend?“ frage ich interessiert in die Runde.

Doch keiner scheint mir so richtig Antwort geben zu wollen und ein paar der Mitarbeiter schütteln einfach nur den Kopf. Ich bin ein wenig irritiert, da ich mir aber sowieso vorgenommen hatte mich vor Ort nach einer Wohngemeinschaft umzusehen, nehme ich Thibus Angebot gerne an mir bei der Suche nach einer neuen Bleibe behilflich zu sein.

Nach kurzem Telefonbuch Gewälze, ein paar Anrufen, E-Mailwechseln und zwei Besichtigungen stehen folgende Angebote zur Auswahl:

  • Ein großes Haus, samt riesigem Wohnzimmer, geräumiger Küche und einladender Terrasse mit Meeresblick, nur ein paar Meter von VASANOC entfernt für 1500vt (12,20€) pro Nacht.
  • Ein Zimmer in einem Hostel, mit kleiner Küche und düsterem Wohnzimmer ebenfalls nur ein paar Schritte von VASANOC entfernt für 1700vt (13,80€) pro Nacht.
  • Das Hostel „Sea Change Lodge“, welches mir von der Australierin wärmstens empfohlen wird und im Gegensatz zu den anderen beiden Wahlmöglichkeiten Internetzugang besitzt, für 2500vt (20€) pro Nacht, bzw. 2000vt (16,30€) wenn ich ein Zimmer für meinen gesamten Aufenthalt von 11 Wochen miete.

Thibu bietet mir außerdem an noch einen Freund von ihm zu fragen, ob er ein Zimmer frei hat. Das Angebot nehme ich dankend an – zwar ist das große Haus, welches hier sogar als Villa bezeichnet wird schon sehr verlockend und der Preis im Vergleich zu den anderen beiden Unterkünften unschlagbar, aber ich frage mich was ich ganz alleine in so einem großen Haus soll – schließlich will ich ja Leute kennen lernen. Also schauen wir mal was der Tag im Bezug auf die Unterkunft noch so bringt, denke ich mir und bleibe gespannt.

Nach der Suche nach einer Unterkunft nehme ich an einem Boardmeeting teil. Ein Mann baut eine Filmkamera auf und lässt die Kamera anfangs eine Weile lang auf mir ruhen – mir wird schon ein wenig unbehaglich dabei. An dem meeting nehmen 9 Männer, mittleren bis höheren Alters teil, die sich alle in einer Sprache unterhalten von der ich nur ein paar Englische Wörter aufschnappen kann. So stelle ich als Frau, mit meinen 24 Jahren und der Landessprache nicht mächtig eine echte Exotin dar. „Na, hast du alles verstanden?“ fragt mich der Vize-Präsident am Ende des Meetings lachend über die Tische hinweg, „nur ein paar Wörter“ erwidere ich. Daraufhin erklärt er mir, dass die Sprache, die in Port Vila gesprochen wird als „Pidgin English/ Frensh Bislama“ bezeichnet wird. Durch die Kolonialherrschaft Frankreichs und Großbritaniens besteht die Sprache aus einem Gemisch von Englischen und Französischen Wörtern, aufgebaut auf der Landessprache der Einheimischen.

Keiner kann mir jedoch sagen, wie viele Stammessprachen in Vanuatu genau gesprochen werden, schätzungsweise sind es jedoch über 100.

Nach einer kleinen Abschweifung in die Sprachkunde Vanuatus, stellt mich Henry, dem Board offiziell vor.  „Sie kommt nicht aus Dänemark, sondern aus Deutschland“ leitet er fast ein wenig entschuldigend ein, da mein einjähriger Studienaufenthalt in Dänemark zur Irritation über meine Herkunft geführt hatte.

„And we thought you were blond!“ ruft der Vize-Präsident etwas enttäuscht mit einem Augenzwinkern durch den Raum. „Well, not everybody in Denmark and Germany is blond“ schäkere ich zurück.

Am Ende des Boardmeetings erfahre ich, dass die Sitzung im Lokalen Fernsehen ausgestrahlt wird. Ist, ja lustig denke ich mir, da hast du gerade mal die Hälfte deines ersten Praktikumstag hinter dir und landest schon im Fernsehen.

Anschließend unterhalte ich mich mit Thibu über mein Aufgabenfeld für die nächsten Wochen. Es gibt soviel zu tun, aber er scheint nicht ganz zu wissen welches Projekt man innerhalb von 10 Wochen Praktikum am besten bewerkstelligen kann. Er habe mindestens ein halbes Jahr gebraucht bis er sich in der Arbeitskultur der Vanuatuer zurecht gefunden hat und mit den Strukturen des Olympischen Komitees vertraut war. Schließlich teilt er mir die Aufgabe zu ein Konzept für einen „Award- Partners Day“, als Auszeichnung für die besten Sportler und Danksagung für die Sponsoren, aufzustellen. Desweiteren soll ich ein Fragebogen im Bezug auf das Wissen der Einwohner über VASANOC und deren Nutzung von Medien, insbesondere des Internets und Sozialer Netzwerke wie facebook, ausarbeiten.

Na´ das nenne ich doch mal einen Sprung ins kalte Wasser.

Es war zwar eine wirklich spannende Aufgabe, aber unwissend über die Möglichkeiten, die das Olympische Komitee für einen „Award Day“ hat, nicht vertraut mit den Kommunikationsstrukturen und der Sportlandschaft Vanuatu´s und nicht im Ansatz über die Mediennutzung der Einheimischen Bescheid wissen, vielleicht ein wenig zu ambitioniert für den ersten Praktikumstag. Hatte Thibu, nicht gerade noch gesagt, dass es ihn über ein halbes Jahr gekostet hat sich in dem Komitee mit seinen Aufgaben einzufinden? Naja egal, aus der Luft gegriffen mache ich mich an die Arbeit.

Als nach kurzer Zeit meiner Researche, der Strom auf einmal ausfällt und ich fest stelle, dass ich das Dokument nicht abgespeichert habe, neckt mich Serina, vom Volleyball Verband schmunzelnd: „Wellcome to Vanuatu!“

Blick aus dem Fenster von meinem Arbeitsplatz.

Blick aus dem Fenster von meinem Arbeitsplatz.

Später kommt Pascal, ein witziger und aufgeschlossener Franzose, der schon seit 26 Jahren in Vanuatu lebt und sportliche Aktionen für Touristen anbietet, im Büro vorbei. Er fragt mich begeistert woher man solch tolle Praktikanten mit Marketingwissen aus Deutschland bekommt. Ich muss lachen und erzähle ihm wie ich auf die Idee gekommen bin in Vanuatu mein Praktikum zu absolvieren und meine, dass bestimmt noch mehr deutsche Studenten an einem Praktikum in der Südsee interessiert wären.

Also jemand Interesse? Nur zu! Ich vermittle gerne. 😉

Am Abend nimmt mich Thibu in seiner charmant-schäbigen Karre mit, um seine französischen Freunde an einer Bar zu treffen. Wir gehen, durch die Palmen hindurch einen schmalen langen Weg hinunter… Der Ort ist malerisch, das warme Licht eines orangenen Lampignon strahlt auf den Tisch, die Grillen zirpen, es ist stockdunkel und es kommt mir vor als wäre es schon 23:00 Uhr, dabei ist es gerade erst gegen 18:00 Uhr. Ich sitze auf einer ulkigen Holzbank und blicke auf das offene Meer hinaus – diesen Moment würde ich am liebsten festhalten, doch mir wird klar dass man nicht alle Momente mit der Kamera einfangen kann. Einer der Franzosen reicht mir eine kleine Schüssel mit einem braunen Gebräu entgegen und fordert mich freundlich auf aus der Schüssel zu trinken. Ich schaue ein wenig skeptisch drein. Der Franzose muss lachen und meint, dass ich an dem Getränk besser gar nicht erst riechen solle, es schmecke scheußlich und er empfiehlt mir es in einem Schluck auszutrinken. Ehe´ ich es mich versah, stieß die ganze Runde an und das Zeug wurde in einem Rutsch weggehauen.

Immer noch unwissend was ich hier eigentlich gerade getrunken hatte erkundige ich mich nach der Konsistenz des Gemisches.

Es ist Kava. Ein pflanzliches Getränk, was entspannende Wirkung hat. Es hat wohl bis vor kurzem in Europa noch zu medizinischen Zwecken gedient, ist aber jetzt verboten. (Wer gerne mehr über das Getränk erfahren möchte: http://www.gesundheit.de/medizin/naturheilmittel/heilpflanzen/kava-kava).

Am Ende des Abends fährt mich Thibu noch bei seinem Freund vorbei um das Haus zu besichtigen. Auf der Fahrt, fallen mir auf einmal an allen Ecken die vielen kleinen „Kava-Bar´s“ auf die wohl hauptsächlich nur Kava ausschenken.
Das Haus ist perfekt und mit 30.000vt (244€) für einen Monat, (inklusive Strom, Gas, Wasser samt Internet), ein unschlagbarer Preis. Ich schlage sofort ein in den Deal.

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