Den Swimming Pool vor der Haustür

Von meinem schrillen Wecker geweckt, öffne ich meine Augen, mein Fuß juckt wie verrückt und schnell bemerke ich, dass mein gesamter Körper mit Mückenstichen überhäuft ist. Schnell greife ich nach dem Mückenspray und sprühe es großflächig über mich, ein Duft von Menthol durchflutet den Raum.

Den Badeanzug übergestreift gehe ich vom Haus aus ein paar Meter hinunter zum Ufer.

Die Sonne scheint mir entgegen und ihre Strahlen reflektieren sich in den verschiedensten Farben auf der Wasseroberfläche.

Ein Mann fährt mit einem Paddelboot auf der Mitte der Lagune entlang. Ich gehe vorsichtig ins Wasser und stelle überraschend fest, dass  ich unerwartet gut in das Wasser hinein gleite. Da mich Flavio am Vorabend noch gewarnt hatte, dass es hier in den Gewässern, besonders am Ufer viele spitzte Steine gibt, hat er mir den Kauf von Wassersportschuhen empfohlen.
Während ich durch das Wasser kraule, zwackt es mich immer wieder am Bauch, nichts sehend und kein Tier spürend frage ich mich verwundert was das seien könnte. (Später bemerke ich, dass mein Bauch mit lauter kleinen roten Punkten versehen ist.) Das Phänomen löst sich nicht.

Ich schwimme etwa 30 Minuten auf und ab und weiß mich glücklich zu schätzen direkt vor der Haustür einen Swimming Pool zu haben.

Blick vom Frühstückstisch

Blick vom Frühstückstisch

Als ich mir mein Rührei zum Frühstück braten will habe ich eine Weile mit dem Gasherd zu kämpfen. Ich zücke ein Streichholz nach dem anderen, meist bricht es durch oder entzündet sich nicht, weil der Streichholzkopf durch die hohe Luftfeuchtigkeit zu feucht ist.

Es ist schon eine Kunst für sich den Gasherd aufzudrehen und gleichzeitig mit der kleinen Streichholzschachtel zu hantieren.

Nach einigen Versuchen gelingt es mir schließlich doch und ich freue mich riesig als die Pfanne zu brutscheln anfängt.

In einem der Busse/ Mini-Van´s

In einem der Busse/ Mini-Van´s

Ansonsten gibt es hier Busse bzw. die kleinen Mini-Vans wie Sand am Meer, aber als ich mir an diesem Morgen einen Bus zur Arbeit ordern will scheinen die Straßen wie leer gefegt. Ich bin schon spät dran und gehe schnellen Schrittes um die Ecke, die Straße hinauf zur nächsten Hauptstraße. Hier finde ich mein Glück und der erste Bus, den ich heranwinke hält an um mich aufzulesen. Der Bus ist proppenvoll und wir fahren mit einigen Schlenkern, um die einzelnen Leute an ihren gewünschten Orten abzusetzen, in die Innenstadt zum Olympischen Komitee.

Es hat schon so seine Vor- und Nachteile, dass man sich quasi überall zu jeder Zeit einen Bus ordern kann und der Busfahrer einen zu jedem beliebigen Ort bringt.

Denn man weiß, durch die vielen Abstecher, die der Busfahrer nimmt um die anderen Passagiere ab zu setzten nie genau wann man ankommt. Zusätzlich kann man nie wissen, ob ein Bus zu der gewünschten Zeit bereit steht an der man gerne abfahren würde, da es keine fixen Bushaltestellen gibt.

Im Olympischen Komitee, nehme ich an dem Fortbildungskurs „Wiederbelebung“ vom Roten Kreuz teil  und arbeite  weiter an der Broschüre sowie den Einladungskarten für die National Youth Games. Anschließend frage ich Henry, ob er eine Aufgabe für mich hätte, drückt er mir nach kurzem überlegen ein Buch über Sportmarketing in die Hand, mit den Worten: „Lese mal das 5.te Kapitel, das ist sehr interessant.“ Das Kapitel handelt von der Verbandsarbeit mit Sponsoren, das Thema an sich interessiert mich auch wirklich brennend, aber ins Geheim denke ich mir das es ja nicht umsonst “Praxissemester“ heißt.

Später frage ich Thibu über die Wassertiere  Vanuatu´s aus. Er erzählt mir von einer Wasserschlange, die sehr klein und flink ist und mit einem Biss tödlich sein soll, doch dann winkt er ab und meint, dass das nur ein weit verbreitetes Gerücht ist. Ein wenig verunsichert frage ich nach: „Aber die gibt es doch nicht etwa in der Lagune vor meinem Haus?“ „Doch, doch“ entgegnet er daraufhin leichtfertig. Weiter berichtet er mir gelassen, dass ich hier von keinem Tier Biss sterben könne.

Es könne nur zu schweren Verletzungen oder auch Lähmungen kommen – umbringen würde mich das nicht.

Das erklärt er mit so einer Unbekümmertheit in der Stimme, dass es mir fast die Sprache verschlägt. Als ich ihn nach dem giftigen Fisch frage, dessen Stachel ein tödliches Gift ausstoßen soll, schildert er mir, dass ein Freund von ihm einmal einen solchen Stachel abbekommen hat. Er sei aber nicht daran krepiert er hat nur ein paar Monate nicht richtig laufen können, da sein Fuß zu einem großen Klumpen angeschwollen gewesen sei.

Am Ende meint Thibu noch weise: „Wir Menschen, sind das gefährlichste Tier von allen.“

Mein Visum

Mein Visum

In der Mittagspause mache ich mich mit den vielen erforderlichen Unterlagen auf zum Immigration Office um dort mein Visum zu beantragen. Der Beamte in dem Office wirft interessiert einen Blick auf meinen Praktikumsnachweis und befragt mich neugierig nach meinem Job beim Olympischen Komitee. Dabei heftet er meine Papiere zusammen und setzt ruck zuck den Visumsstempel in meinen Pass. Ich hatte damit gerechnet für die eigentliche Visumsaustellung noch einmal vorbei kommen zu müssen und vorerst nur die Dokumente einzureichen und bin total überrascht, dass ich das Visum an Ort und Stelle sofort erhalte. So schnell und unkompliziert bin ich im Ausland noch nie an ein Visum gelangt. Wenn man dazu bedenkt, was für ein Kampf es war von Deutschland aus an Infos über das Visum für Vanuatu zu kommen. (Wer darüber gerne mehr lesen möchte, kann dies gerne unter der Rubrik „Reisevorbereitung“ => „Visum“  tuen.)

Nachdem mir der Beamte fröhlich den Pass überreicht und mich in Vanuatu willkommen heißt verabschiedet er mich grinsend mit den Worten „Jetzt kannst du bis zum 6.ten Februar in Vanuatu bleiben.“

Auf dem Weg nach Hause erkundige ich mich in einem Supermarkt nach einem Waschmittel für die Waschmaschine.

„Oh“ meint die Verkäuferin und schüttelt vehement mit dem Kopf „Waschmittel für die Waschmaschine haben wir leider nicht, nur Waschpulver für die Handwäsche.“

Ich denke mir, dass der Unterschied, da ja auch nicht so groß sein kann und lasse mir das Waschpulver zeigen. Mit einem fragenden Gesicht vor der Auswahl an Handwaschmitteln stehend, spricht mich ein anderer Kunde an und bittet mir offenherzig seine Hilfe an. Wir stehen gemeinsam eine Weile vor dem Regal und analysieren die verschiedenen Verpackungen. Er empfiehlt mir eine der großen, besseren Packungen zu nehmen, da die kleinen Packungen für die „Locals“ seien, die sich die größeren nicht leisten können, doch was für die „Locals“ gut ist, ist für mich gerade genau richtig.

In der Dämmerung komme ich zu Hause an und stelle nach dem drücken sämtlicher Lichtschalter im Haus fest, dass es keinen Strom gibt.

Ich frage mich, ob sowas wohl öfters hier vorkommt und als es dunkel wird bin ich heil froh, dass ich eine LED-Kopflampe aus Deutschland mitgenommen habe.
Den Wasserhahn aufgedreht stelle ich fröhlich fest, dass es Wasser gibt und mache mich gleich an das waschen des muffelig riechenden Betttuches. Als ich es vor dem Haus aufhänge hoffe ich, dass Gael es nicht als Beleidigung auffässt, das ich die Decke, die ich von ihm erhalten habe sofort wasche.

Wenig später steht Gael im Flur, er hätte mir eine SMS geschrieben meint er und versucht mich anzurufen, da er mich über den Stromausfall vorwarnen wollte. Er habe vergessen die Rechnung zu bezahlen sagt er entschuldigend und verspricht, dass das Problem direkt am nächsten Tag behoben sei. Zusammen fahren wir zu der Eröffnung einer Fotoaustellung zu dem Thema „Die Pazifischen Inseln im Irakkrieg und Afghanistan“.

Bei der Eröffnungsrede erklärt der australische Fotograf, dass er anlässlich des 11. Septembers gerne auf die Soldaten aus dem Pazifik aufmerksam machen wolle, da diesen so wenig Beachtung geschenkt wird.

"Desert Islanders" - Embedded with Pacific Island soliders in Afgahnistan

„Desert Islanders“ – Embedded with Pacific Island soliders in Afgahnistan

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