Begegnungen bei Mondschein

Luigi Teilemb

Luigi Teilemb

Heute arbeite ich an dem Newsletter von VASANOC und stelle die Sport News der letzten zwei Monate zusammen. Das gibt mir einen guten Überblick über die einzelnen Sportverbände Vanuatus, deren Aktionen und der Erfolge ihrer aktiven Sportler. Zum Beispiel bin ich beeindruckt von dem Ruderer Luigi Teilemb, der im Juli und August 6 Wochen in Europa verbracht hat, um dort an internationalen Ruderwettbewerben in Italien, Schottland und den Niederlanden teilzunehmen. Zuvor hatte ich gar nicht gewusst, dass in Vanuatu überhaupt gerudert wird, da ich das stürmische Wasser des brausenden Meeres für zu wild und unberechenbar gehalten habe, aber vor Ort erfahre ich von den vielen Lagunen des Landes, in denen gute Trainingsbedingungen herrschen.

Der Europatrip von Luigi wird als sein erster Schritt in Richtung Olympia bezeichnet… also lassen wir uns überraschen, ob wir ihn eines Tages bei den olympischen Spielen sehen dürfen.

Fußbalmannschaft Vanuatu´s bei den Olympic Youth Games in China

Fußbalmannschaft Vanuatu´s bei den Olympic Youth Games in China

Außerdem erfahre ich mehr über Vanuatu´s Teilnahme bei den Common Wealth Games in Glasgow und bei den Youth Olympic Games in Nanjing, China.

Dort hat beispielsweise die Fußballmannschaft alle Spiele Haushoch verloren, was nicht etwa als Niederlage angesehen wird sondern, als eine wertvolle Erfahrung aus der die Jugendlichen viel lernen konnten.

(Wer gerne mehr Neuigkeiten über Vanuatu´s Sportlandschaft lesen möchte und sich den Newsletter einmal ansehen will, kann dies gerne hier tuen.)
Später begleite ich Thibu in die Druckerei, um das Booklet, welches ich Gestern für die National Youth Games entworfen habe in Druckauftrag zu geben. Auf dem Weg dorthin berichtet mir Thibu, über das Generieren von Geldern für den Sport in Vanuatu.

Er beschreibt die zur Verfügung stehenden Geldmittel wie eine große Wolke, die über den Sportverbänden schweben auf die aber kaum einer zurück greift.

Ich frage verwundert nach warum die bereitgestellten Gelder so wenig genutzt werden, da mir Henry vor wenigen Tagen noch erzählt hat, dass es an allen Ecken und Enden an Geldern fehlt. Sie wissen oft nicht über die Möglichkeiten und Sponsorenpackete bescheid, sagt er. Aber es dürfte doch ein leichtes sein die Sportverbände bei einem Informationsabend über diese Geldmittel aufzuklären, meine ich. Thibu zuckt nur mit den Achseln und erklärt mir, dass die Resonanz der einzelnen Verbände oft nicht sehr groß ist, wenn VASANOC etwas organisiert und zu vergangen Treffen über andere Themenschwerpunkte kaum einer erschienen ist. Mir ist es immer noch unbegreiflich, dass das vorhandene Geld zum Großteil nicht an den richtigen Stellen ankommt. Thibu vermutet verärgert, dass die australischen Organisationen, von denen die Geldmittel meist bereit gestellt werden, die Informationen über diese Gelder extra schwer zugänglich machen, damit sie am Ende sagen können, dass sich für die Sponsorenpakete ja keiner beworben hätte um dann das Geld für sich selbst zu nutzen. Außerdem seien die Bewerbungsprozesse sehr aufwendig und man müsse viel Papierkram einreichen.

In der Druckerei angelangt fällt Thibu auf, dass er den Stick, auf dem das Booklet abgespeichert ist vergessen hat. Die Druckerei beeindruckt mich zu tiefst, im Eingang steht ein langer, großer Tisch auf dem ein riesiges Plakat ausgelegt ist, die Druckmaschinen sehen aus wie aus dem letzten Jahrhundert, ihre Balzen schlagen laut auf und ab und die Zahnräder bewegen sich in einem geräuschvollem „tick-tack“.
Thibu bespricht den Druckauftrag mit dem alten, gebrechlich erscheinenden, französischen Besitzer auf Französisch – ich verstehe kein Wort. Auf dem Rückweg, schon fast wieder beim Olympischen Komitee angekommen, stellt Thibu mit leichtem Ärgernis fest, dass er seinen Büroschlüssel in der Druckerei liegen gelassen hat.

„Oh, nein“ lächel ich ihn an, „pass bloß auf, dass du vor deiner Rückkehr nach Frankreich, deinen Kopf nicht hier vergisst.“

Er wirkt hastig, ein wenig nervös und völlig durch den Wind und trommelt mit seinem Kuli im schnellen Rhythmus auf den Vordersitz des Mini-Van´s.

Zu Fuß schlendere ich nach der Arbeit nach Hause, fasziniert von dem Einbruch der Dämmerung am Hafen meine Kamera zückend, vergesse ich vollkommen die Zeit. Als ich meine Kamera wieder einstecke ist es bereits kurz vor 18:00 Uhr und schon stockdunkel. Ich gehe einen steilen Anstieg hinauf, der Weg ist schmal und eigentlich nicht als solcher zu bezeichnen, da es sich eher um einen Straßenrand mit bröckeliger Erde handelt. Eine Straßenbeleuchtung gibt es nicht und ich sehe meine Hände kaum vor meinen Augen, nur das Licht einiger Häuser scheint aus den Fenstern hinaus und lässt mich meine Schritte über Stock und Stein finden. Die Dunklen Umrisse von Körpern kommen aus der Ferne auf mich zu, erst ein paar Meter vor mir angelangt erkenne ich ihre Gesichter. Es ist eine Gruppe von Männern, die mich verblüfft ansehen.

Henry´s Stimme hallt mir durch den Kopf: „Sei immer vor Anbruch der Dunkelheit zu Hause.“

Einige Autos fahren an mir vorbei und ich könnte mühelos ein Bus heranwinken um mich nach Hause fahren zu lassen, doch jetzt auf der über der Hälfte des Weges, will ich auch den gesamten Weg von der Arbeit nach Hause zu Fuß zurück legen. Ich gehe immer weiter, die Gegend scheint mir unbekannt und irgendwann bemerke ich, dass ich mich verlaufen haben muss.
Zwei junge Mädchen kommen mir entgegen, die ich anspreche und nach dem Weg zum „Leader Price“, ein französischer Supermarkt in der Nähe meiner Unterkunft, frage. Sie lachen mich an und meinen, dass ich schon viel zu weit gegangen wäre. Sie deuten in die entgegengesetzte Richtung und zeigen in die Ferne, dort sei der Supermarkt. „Folge uns einfach“ strahlt mich eine der beiden Mädchen aufgeweckt an, „wir müssen in die gleiche Richtung“.
„Da, hast du aber Glück, dass du auf uns gestoßen bist, sonst wärst du ja einfach immer weiter in die falsche Richtung gegangen“, plaudert sie weiter. Ich denke leise bei mir, dass ich nur wenige Meter später von alleine umgekehrt wäre, aber ich grinse sie an, mit den Worten „Ja, das stimmt, ich habe wirklich Glück auf euch getroffen zu sein, sonst wäre ich aufgeschmissen“. Sie lächelt mich freudig an und erkundigt sich neugierig woher ich komme.

„Aus Deutschland“, antworte ich, ihre Augen weiten sich und sie stellt fasziniert fest: „You won the World Cup!“

„Yes“ entgegne ich ihr und freue mich, dass das so eine Begeisterung in ihr auslöst. „I cheered for Germany, as well“ schwärmt sie. Daraufhin erzähle ich ihr, dass ich überrascht war schon aus dem Flugzeug am Landeplatz die erste Deutschland Flagge erblickt zu haben. „Ja“ meint sie entzückt, viele Leute hätten die Deutsche Flagge aufgehängt. Doch als ich mich erkundige für welches Team die Mehrheit gewetteifert hat, erzählt sie mir, dass nur eine Minderheit für Deutschland gewesen sei und die meisten Leute bitter böse enttäuscht waren, dass Brasilien gegen Deutschland so hoch Haus verloren hat. Weiterhin erklärt sie mir, dass dies sogar zu Schlägereien geführt hat. „Oh, das tut mir Leid“ erwidere ich fast ein wenig entschuldigend. Sie lenkt ein und berichtete beschwingt, dass der deutsche Honorarkonsular, zu dem Sieg seines Heimatlandes eine große Party veranstaltet hat. Bei „Leader Price“ angekommen bedanke ich mich freudestrahlend bei ihnen. Die beiden Mädchen strahlen zurück, müssen kichern und gehen weiter ihres Weges.

An der langen, tief herab gehenden Einfahrt von dem Haus angekommen sehe ich mittlerweile überhaupt nichts mehr und setzte vorsorglich meine LED-Kopflampe auf. In dem Haus, stelle ich den ersten Lichtschalter drückend heilfroh fest, dass der Strom wieder geht. Die Deckenlampe in meinem Zimmer funktioniert zwar seit meiner Ankunft nicht, aber ich habe eine kleine Nachttischlampe, die mir spärliches Licht gibt.

Ja, ja Elektrizität ist schon eine tolle Erfindung!

Konnte an so einem Ort wie diesem hier überhaupt Alltag eintreten? Wollte ich den Alltag überhaupt hier haben oder weiter das Abenteuer leben? Ich war hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch für die Dauer meines Aufenthaltes hier anzukommen und mich einzuleben und der Neugierde nach dem Neuen und Unbekanntem.

Welche Abenteuer und Begegnungen würden wohl noch auf mich warten?

Port Vila am Abend.

Port Vila am Abend.

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