Durch die Nacht

Nachdem ich aufwache erläutert mir Gael am Morgen wie die Waschmaschine funktioniert und beendet seine Erklärung mit dem alles entscheidenden Satz:

„Ach´ und bevor du die Wäsche nach dem Waschgang aus der Maschine rausnimmst musst du den Stecker ziehen, sonst kriegst du einen Stromschlag.“

„Aha, gut zu wissen.“ XD

IMG_0860Unter der Dusche blitzt mir die erste Kakerlake aus dem Duschvorhang entgegen, dabei muss ich an eine Freundin denken, die gerade ihr Praktikum in Nepal macht und mir schon von der dortigen Kakerlaken Plage berichtet hat. Jetzt frage ich mich erstaunt wie mir das dicke, kleine braune Ungeziefer zuvor nicht auffallen konnte, denn auch hier wimmelt es von ihnen und sie krabbeln aus allen Ecken hervor. Der Kreischanfall bleibt jedoch aus – ich störe mich nicht weiter an der Kakerlake und dusche ohne sie groß zu beachten weiter.

Am Abend flitze ich mit Gael durch die Dunkelheit zu Thibu´s Abschiedsparty. Mittlerweile  habe ich mich schon etwas an das Quad fahren gewöhnt, doch ich klammere mich immer noch an den Griffen des Rücksitzes fest und kneife manchmal die Augen zu, wenn es an einer Kreuzung brenzlig aussieht oder Gael mit dem Quad eine scharfe Kurve nimmt und sich die Räder auf der einen Seite des Quad´s spürbar anheben.

Die Party ist schon im vollen Gange bei unserer Ankunft. Als ich den Raum betrete kommt mir eine Französin, die ich zuvor noch nie gesehen habe, fast auf der Türschwelle entgegen, sie begrüßt mich mit einem Küsschen links-rechts und stolpert nach einem kurzen Plausch weiter an mir vorbei. Ich begebe mich zur Bar, die mit einer riesigen Auswahl an Getränken gefüllt ist und mixe mir einen drink zusammen. Schnell komme ich mit den Leuten ins Gespräch, wobei die Mehrheit der Partygäste Franzosen ist, die ja bekanntlich nicht so gerne Englisch sprechen und nach eigenen Aussagen oft nur in Grüppchen zusammen im Ausland anzutreffen sind. Der zweite Großteil der Gäste kommt aus Australien. So bilde ich mit einer Handvoll Ni-Vanuatu´s (so nennen sich die Einheimischen selbst) die klare Minderheit. Ein Franzose stellt sogar belustigt fest, dass ich wohl die einzige Deutsche auf der gesamten Insel sein müsste.

Flavio erklärt mir mit einer Zigarette in dem Mundwinkel:

„Nimm dich ja vor den Einheimischen Männern in acht. Und steige niemals als Frau alleine in einen Bus ein, wenn dieser keine anderen Passagiere enthält.“

Dabei prustet er ein wenig, pafft mich an und mir wird klar, dass es keine Zigarette ist, die er da raucht sondern Marihuana. Bei seinem Erscheinungsbild bin ich nicht sonderlich überrascht und mein Verdacht, dass Flavio noch andere Drogen außer dem hier weit verbreiteten Kava-Getränk zu sich nimmt bestätigt sich. Mit trüben Augen sieht er mich an und gebietet mir weiter, dass ich mich am allermeisten vor den jungen Busfahrern in acht nehmen solle, da diese die schlimmsten seien. Das ist ja schön zu wissen, denke ich mir, aber hier lässt es sich leider kaum vermeiden auch mal alleine in einen Bus einzusteigen, da die Mini-Van´s nur um die 11 Sitzplätze beinhalten. Ich weiß, dass man als allein Reisende Frau vorsichtig sein muss und ich nicht naiv mit den diesiegen Begebenheiten umgehen sollte, Angst hatte ich bis jetzt jedoch hier noch nie.

IMG_0877Es schlägt 00:00 Uhr, jemand stellt einen Stuhl auf den Tisch, ein junger Kerl setzt sich drauf und schaut erwartungsvoll in die Runde. Ich bin verwundert worauf er wohl warten mag, drei Frauen betreten den Raum, sie tragen einen riesigen Kuchen in ihren Händen, der mit fackelnden Kerzen versehen ist und singen lauthals grölend etwas auf Französisch. Die Masse stimmt mit ein in den Gesang und ich erkenne die Französische Version von „Happy Birthday to you“.

Als ich ein wenig näher an das Getümmel herantrete, erkenne ich dass der Kuchen zu einem großen Penis geformt ist.

Der junge Mann stellt sich auf, die drei Frauen treten näher an ihn heran und halten den Kuchen genau vor seine Taille. Daraufhin jubeln alle, der junge Mann auf dem Tisch schaut triumphierend und einige Leute zücken ihre Kameras oder Smartphones hervor und knippsen wie wild drauf los, mich eingeschlossen.
Andrew, ein australischer volunteer, der für den Volleyballverband arbeitet steigt mit holperigen Schritten auf den Tisch, er streckt der Menge seinen Hintern entgegen, die daraufhin noch mehr angeheizt wird. Thibu und ein paar andere Männer tuen es ihm gleich und legen einen wackeligen tabledance auf der Tischplatte hin.

Dann werden Thibu und sein Mitbewohner, der ebenfalls in ein paar Tagen das Land verlässt, auf die Schultern zweier anderer Männer empor gehoben, und mit der Flagge Vanuatu´s hin- und her wackelnd, durch den Raum getragen.

Die Stimmung wird immer heiterer, Musik, Gelächter und Französischen Stimmenwirrwarr klingt in meinen Ohren und ich spiele mit ein paar Franzosen Boule auf einem Sandstück der im Raum ausgelegt ist.

Thibu und sein Mitbewohner, wedelnd mit der Flagge Vanuatu´s.

Thibu und sein Mitbewohner, wedelnd mit der Flagge Vanuatu´s.

Obwohl ich nicht viel getrunken habe spüre ich den Alkohol schneller als gedacht und lasse mich auf eines der Sofas fallen. Ein Einheimischer kommt auf mich zu und verwickelt mich in ein Gespräch. Er heißt Paul, ist recht klein gewaschen und schmächtig aber hat kraftvoll-muskulöse Arme wie auffallend viele, der jungen Männer hier. Ich erzähle ihm, dass ich Morgen zu den Cascades Wasserfällen fahren will, woraufhin er mir anbietet sich den Bus eines Freundes zu leihen um mich dorthin zu begleiten. Ich weiß nicht so recht ob ich das Angebot annehmen möchte und halte einen gemeinsamen Ausflug am anderen Morgen offen.

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