Das Brausen der Wasserfälle

Es ist Sonntag.
Ich sitze am Straßenrand auf einer Bordsteinkante, den Kopf auf den Händen abgestützt und warte auf Paul, der mich für die Cascades Wasserfälle abholen kommt. Eine kurze Weile sitze ich nur so da und träume in den Tag hinein, während dessen kommt ein Auto langsam an mich heran gefahren. Der Wagen trägt die Aufschrift „Security…“, ist aber kein Polizeifahrzeug, der Fahrer des Fahrzeuges streckt den Kopf aus dem Fenster und fragt mich verwundert ob alles in Ordnung sei. Neben ihm sitzt ein kleines Kind, welches mich musternd betrachtet. „Ja“ antworte ich irritiert, aus meinem Tagtraum gerissen und füge hinzu, dass es mir gut geht und nur auf jemanden warten würde.

„You are waiting for SOMEONE??“ fragt er ein wenig skeptisch mit einem merkwürdigen Unterton auf dem Wort „someone“.

Ja, entgegne ich und betone noch einmal das alles in Ordnung sei. Daraufhin schaut der Mann immer noch misstrauisch drein, gibt sich aber zufrieden und fährt weiter.
Wenig später fährt ein klappriger Mini-Van auf mich zu, es ist Paul, der mich mit müden Augen anschaut, sich für sein Zuspätkommen entschuldigt und mir die Tür aufhält. Die Fahrt zu den Wasserfällen dauert von der Stadt aus in etwa 30 Minuten. Wir fahren an vielen kleinen Hütten und herunter gekommenen, aber auf ihre Art einladend aussehenden Steinhäuser vorbei und ich freue mich einen Eindruck zu gewinnen, wie die Leute am Stadtrand in den Dörfern leben.

So gesprächig Paul Gestern auf Thibu´s Abschiedsparty war so schweigsam ist er Heute.

Unser Gespräch ist brüchig und ich merke, dass er noch kaputt und verkatert von der letzten Nacht sein muss. So bin ich mittlerweile wirklich froh, dass er sich den Bus von einem Freund ausgeliehen hat und mich begleitet, da die Transportwege außerhalb der Stadt nicht ausgebaut sind und wenn man es geschafft hat in ein anderes Dorf anzugelangen, man nie so genau weiß wann man zurückkehren wird.

Für den Eintritt in den Nationalpark der Wasserfälle zahle ich umgerechnet ca. 16€, obwohl ein niedrigerer Preis für die Einheimischen ausgeschildert ist kommt Paul sogar umsonst rein. Ich frage ihn irritiert, ob er die beiden Männer am Schalter gekannt hat, weil sie so vertraut miteinander umgegangen sind, doch die Frage verneint er knapp.

Paul - mir vorweg.

Paul – mir vorweg.

Direkt beim Reinkommen bin ich begeistert von den vielen kleinen Wasserfällen, die von allen Seiten neben dem Wegrand entlang fließen und will so viele Eindrücke wie möglich mit meiner Kamera festhalten. Der Park ist angenehm leer und es kommen uns nur vereinzelt Touristen entgegen. Wir gehen immer weiter, Paul ist mir meist Meter weit vorweg, setzt sich dann irgendwohin und wartet auf mich. Als wir durch ein kleines Waldstück hindurch kommen, der einfach märchenhaft aussieht bin ich total verzaubert und frage Paul, der fast ein wenig gelangweilt dreinschaut, ob ihn die volle Pracht der Natur nicht auch beeindruckt. Daraufhin schaut er mich mit einem müden Lächeln an und meint:

„Yes, it is just that I have a fucking hangover!“

Er erzählt mir, dass er nur 2-3 Stunden geschlafen hat und ihn ziemliche Magenkrämpfe plagen würden woraufhin ich ein wenig irritiert bin, dass er mich überhaupt begleitet hat aber ihm auch umso dankbarer bin. Als wir an der Spitzte des Nationalparks ankommen, passt Paul auf meinen Rucksack auf und ich kann ganz entspannt durch´s Wasser toben. Die Wasserfällen brausen zu zig- fachen vor sich hin und das kraftvolle Plätschern des Wasser´s hat etwas lebendig, aber zugleich beruhigendes. Durch das Wasser wartend bereue ich es mittlerweile, dass ich das Band für meine Kamera vergessen habe und sie nur lose in der Hand trage. Denn die Steine sind sehr glitschig und ehe´ es man sich versieht kann man auf der Nase landen. So halte ich die Kamera fest in der einen Hand und mit der anderen hangel ich mich an Teilabschnitten des Wasserweges an einem Seil entlang.

Ich bin zutiefst beeindruckt, als ich sogar eine Treppe erblicke, die in den Stein hineingemeißelt wurde. Vorsichtig trete ich die Treppe hinauf, ein paar Meter weitergehend stockt mir auf einmal der Atem und ich bin einfach nur sprachlos als ich den sprudelnden Wasserfall an der Bergspitze betrachte. Er fließt an einer Mauer entlang, die durch die verschiedensten Pflanzenarten mit Hunderten von verschiedenen Grüntönen versehen ist.

Ich komme gar nicht mehr raus aus dem Staunen und nachdem ich aus lauter Faszination einen Moment inne gehalten habe, zücke ich meine Kamera und fotografiere den Wasserfall aus allen möglichen Perspektiven.

Ich bin überrascht, als ich sehe, dass es sogar noch einen Stück weiter hinauf, zum Gipfel des Nationalpark´s geht. Das Naturschauspiel, welches sich mir hier bietet übertrifft den vorherigen Wasserfall sogar noch um Längen. Der diesige Wasserfall, fällt aus einer noch viel höheren Höhe von dem Berg herab und mündet in einen kleinen Wassergraben, neben dem eine gigantische Baumwurzel aus dem Boden empor ragt. Ein paar Meter vor diesem wundersamen Bild türmen sich Gefelsbrocken über die das Wasser hinabbraust.

Euphorisch balanciere ich durch das Wasser hindurch und gebe Acht, dass ich nicht durch das gewaltige Strudeln des Wasser´s umgerissen werde.

Auf dem Weg zu der Spitze der Cascades Wasserfälle geht es an vielen kleinen Wasserfällen entlang...

Auf dem Weg zu der Spitze der Cascades Wasserfälle geht es an vielen kleinen Wasserfällen entlang…

Auf dem Weg zu den Cascades Wasserfällen... wie im Märchenwald.

… durch einen Märchenwald hindurch…

... das Wasser hindurch wartend...

… das Wasser hinauf- und hinabsteigend…

Cascades Wasserfälle

... und angekommen!

… und angekommen!

Blumen_02

Blume

Cascades Wasserfälle_Map

Hier ein Überblick wo sich die Cascades Wasserfälle auf der Landkarte befinden.

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