Feuertänzer

Meine beunruhigenden Fragen von Gestern, sollten sich schon heute mit dem Meeting mit Allan in Luft auflösen.

Allan wirkt sehr engagiert und mit ihm scheint mein Ansprechpartner nach Thibu´s Abreise gesichert. Er arbeitet für das Tourism office und mit einem Blick von ihm muss man einfach anfangen zu lächeln.
Am Hinterkopf trägt er ein paar Rasterhaare, die er zu einem Knoten, schräg zusammen gebunden hat, und die zu allen seiten rausstehen. Sein Vorderzahn ziert ein, goldner feiner Punkt, sein Finger schmückt ein enorm auffallender Ring und sein Hemd ist mit einem fröhlich, buntem Blumenmuster bedruckt. Er lacht viel und gerne, hat einen offenen Blick und wenn er seine Stimme erhebt kann sie von einem Schlag auf den anderen in eine amüsant hohe Tonlage rutschen.

Nachdem meeting steht fest, dass ich mich nun während meiner Praktikumszeit in dem Bereich Social Media um die facebook Seite von VASANOC kümmern werde und die website auf Vordermann bringe, ich bin für den Newslatter und für den Bereich des Merchandisings verantwortlich und werde eine Opening Ceremony für den Museumsraum organisieren, der in den nächsten zwei Monaten in dem Versammlungsraum entstehen soll. Außerdem könne ich weiter an dem Konzept für den „Award-Partnersday“ arbeiten, an dem die besten Sportler des Jahres ausgezeichnet werden sollen und die Sponsoren geehrt werden. Thibu meinte, dass er mir auch zutrauen würde, den „Award-Partnersday“ im Laufe meiner Praktikumszeit auf die Beine zustellen, doch die Durchführbarkeit der Organisation läge zum größten Teil nicht in meinen Händen. Man müsse immer und immer wieder bei allen möglichen Ansprechs- und Businesspartnern nachharken bis die auch wirklich in Bewegung kommen. Hinzu beschwört er mir, dass hier alles seeeehr seeehr langsam von statten gehen würde, so dass 8 Wochen zu kurz seien um ein derartiges Event um zusetzten.

(Als er von den 8 Wochen redet, kann ich kaum glauben, dass die ersten 2 Wochen meines Praktikums schon vorbei sind – die Zeit vergeht wirklich wie im Fluge.)

Thibu fügt hinzu, dass man den „Award-Partner´s Day“ frühestens für Januar 2015 ansetzten könnte. Nachdem er berichtet, dass Mitte Oktober noch ein französischer volunteer zu VASANOC hinzustößt beschließen wir, dass ich soweit wie möglich an dem Konzept für den „Award- Partners Day“ arbeiten kann um meine Arbeit dann dem volunteer zu übergeben, damit sichergestellt ist, dass die Idee nicht untergeht. Außerdem bekam ich auf Wunsch für die National Youth Games noch ein paar mehr Tätigkeiten, außer der Betreuung des Cocal-Cola Standes zugeteilt. So war ich sehr zufrieden mit dem Abschluss des Gespräches und den mir bevorstehenden Aufgaben.

Jetzt lag es ganz in meiner Hand was ich daraus machte, denn ich hatte alle Freiheiten und mein eigenes Tätigkeitsfeld für das ich ganz alleine verantwortlich war – und das fühlte sich gut an!

Aber zu gleich war mir bewusst, dass ich für das Organisieren in der kurzen Zeit eine unterstützende Hand brauchte, da ich mich nicht mit den Gegebenheiten auskannte und nur ansatzweise mit der Kultur und ihren Strukturen vertraut war.
Allan hatte bis zum Ende des Jahres noch 5 Businesstripps geplant, beteuerte mit aber, dass er per Mail immer gut zu erreichen sei und verspricht mir schnell auf meine Fragen zu antworten.

Am Abend bin ich hundemüde und ziemlich kaputt doch nach einem kurzen Abstecher nach Hause geht es zur Eröffnungsfeier der National Youth Games. Der Busfahrer fährt erst in eine komplett andere Richtung um die anderen Fahrgäste abzusetzen.

Auf dem Weg fahren wir an einer Reihe hupender Autos vorbei, die Ladefläche eines Trucks ist voll von Frauen, die lauthals kreischen, jubeln, dabei mit den Händen hin- und her wedeln und auf- und abhüpfen.

Ich sehe die Autoschaar auf ein Fußballfeld hinauffahren und dort eine Runde drehen und frage mich verwundert was es wohl mit dem jodelnden Autozug auf sich hat. Der Busfahrer klärt mich darüber auf, dass sie eine Hochzeit feiern würden und dass dies der dritte Tag der Feier sei. „Oh, der dritte schon?“ stellte ich überrascht fest und erkundigte mich wie lange eine Hochzeitsfeier in Vanuatu dauern würde – „1 Woche“ antwortet der Busfahrer und grinst mich durch den Rücksitzspiegel breit an.

Eröffnungsfeier der ersten Ausgabe der National Youth Games

Eröffnungsfeier der ersten Ausgabe der National Youth Games

Ehrung der Sponsoren

Ehrung der Sponsoren

Zu Beginn der Eröffnungsfeier wurden die Sponsoren geehrt und von einer in Reih´ und Glied aufgestellten Reihe von jungen Frauen mit Kränzen versehen. Es wurden Reden, von einigen Sponsoren und James, meinem Kollegen von VASANOC gehalten und dann trat für mich ganz überraschend ein Prediger auf die Bühne.

Er sprach lautstark ins Mikrophon und ich konnte nur ein paar Wörter wie „thank the Lord“ aufschnappen, seine Predigt schien endlos und als sich aller erhebten und mit tief gesenktem Blick anfingen zu beten kam ich mir fast ein wenig fehl am Platz vor.

Da ich eine Eröffnungszeremonie nicht mit Religion verband und in diesem Rahmen keineswegs auf die Predigt und das folgende Gebet vorbereitet war. Doch zugleich bin ich dankbar, dass ich das alles erleben darf und mir durch mein Praktikum bei VASANOC ein Einblick in die Kultur gewährt wird, der mir bei einem einfachen touristischen Besuch verschlossen wäre.

Musik versprüht Südsee-feeling

Musik versprüht Südsee-feeling

Als ein paar Musiker, mit langen grünen Gewändern, die mit weißen Blumen bedruckt sind, auf die Bühne treten bin ich vollkommen verzückt. Zuvor knippste ich wie wild drauf los um Fotos der Feier für die facebook Seite zusammenstellen zu können, doch jetzt bei dem Höhepunkt des Events machte mein Akku leider schlapp. Sobald die Musiker ihre Instrumente hervorzogen und zu singen anfingen zauberte es mir ein Lächeln auf die Lippen und mich überkam ein tiefes Gefühl der Glückseligkeit. … Da waren die Musiker in ihrem Blümchenhemden am Flughafen, wohl doch kein reines Touri-Spektakel, der Gesang, die Beschwingtheit in ihrer Stimme, ihre freudestrahlenden Gesichtern und ihre wippenden Körper zum Takt der Musik… das war alles echt und authentisch… das ist die Südsee… ja´das ist Vanuatu!

Jetzt begriff ich, was das „Südsee-feeling“ wirklich bedeuten musste, es riss mich mit und ich war einfach nur glücklich.

Nach dem Auftritt verkündete mir Henry aufgeregt, dass es jetzt einen Feuertanz gäbe, den er von Ni-Vanuatu´s zuvor selbst noch nie gesehen hätte, da der Brauch des Tanz mit dem Feuers eigentlich ehr in Papua Neuguinea verwurzelt sei.

Die Tänzer zogen alle in ihren Bann, mit ihren bis auf den letzten Muskel durchtrainierten Körpern schwangen sie mit den Feuerkeulen durch die Gegend, bließen die Flammen in die Luft, verschluckten das Feuer in ihrem Mund, hüpften über es hinweg und legten eine beeindruckende Choreografie hin…

…ja´ sie ließen das Feuer wahrlich für sich tanzen!

Als zwei der Männer ein Feuerseil durch die Luft schleuderten und ein dritter durch es hindurch sprang, schrien einige der Mädchen auf, denn es sah aus als hätte der Mann Feuer gefangen. Doch er schien die Überhand über das unbändige Feuer zu haben und tänzelnte mit einer Leichtigkeit und einem verschmitzten Grinsen auf dem Gesicht durch das schleudernde Seil hindurch.

So klang der Abend mit einem beeindruckendem Spektakel aus.

Tanzen mit dem Feuer

Tanzen mit dem Feuer

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