Rattenalarm und ein Neuer Präsident

Am Morgen beim Olympischen Komitee angelangt bildete sich bereits ein kleiner Tumult im winzigen Büro des Volleyballverbandes, in dem die drei Mitarbeiter gleichzeitig nur wie die Sardinen aneinander gequetscht Platz finden konnten.

Auf dem Boden des Büro´s lagen überall verteilt Erdnussschalen herum. Die engagierte und hochmütige Debbie, eine Mitarbeiterin des Verbandes, beschwerte sich schnippisch: „What is that for a mess? – Who is responsible for that?“ Dabei wanderte ihr Blick unwillkürlich auf Andrew, ein junger australischer, braungebrannter Volunteer, der keine Gelegenheit ausließ seine Muskeln spielen zu lassen. Doch dieser zuckte sich keiner Schuld bewusst nur lässig mit den Schultern. Debbie bohrte weiter nach: „Hast du die Erdnüsse übers Wochenende hier liegen lassen?“ „Nein“ entgegnete Andrew mit einem unsicheren Lächeln auf den Lippen zu seiner Verteidigung.

Debbie erblickte, die kleine aufgerissene Plastiktüte, in der sich die Erdnüsse zuvor befand auf dem Boden, sie hob sie mit zwei Fingern von sich gestreckt auf und bemusterte sie kritisch. Dann schreit sie schrill: „Das waren Ratten. Wir haben Ratten!“

Allein bei dem Namen des Tieres durchzuckte es mich am ganzen Körper, da ich durch eine tief eingebrannte Kindheitserinnerung eine starke Rattenphobie besaß. „Bist du dir wirklich, sicher?“ fragte ich sie rasch voller Unbehagen. „Ja, natürlich!“ konterte sie von oben herab und fügte spitzfindig hinzu „siehst du nicht, dass die Tüte von allen Seiten angefressen ist?“ Ich hatte gehofft, dass die Tüte bloß aufgerissen wurde, doch bei genauerem betrachten des Erdnusspäckchens musste ich mir eingestehen, dass wohl kein Zweifel daran bestand, dass es die kleinen dicken, widerwärtigen Nager waren, die für dieses „Erdnusschaos“ im Büro der Volleyballer verantwortlich waren. Debbie stutzte Andrew zurecht, dass er niemals Essensreste im Büro über´s Wochenende liegen lassen sollte, dieser hingegen beteuerte noch einmal dass er keine Lebensmittel sondern legentlich seinen Tabak da gelassen hätte.

Dann ergriff Debbie den Besen um die Erdnussschalen, die sich überall auf dem Boden verteilten, zusammenzukehren, und kreischte dabei immer und immer wieder exzentrisch heraus: „Wir haben Ratten! Wir haben Ratten! Wir haben Ratten!“

Es schauderte mir immer noch am ganzen Körper und ich mochte mir gar nicht ausmalen, dass das gesamte Gebäude wirklich von Ratten befallen war. Aufeinmal fühlte ich mich unwohl in dem Gebäude und als ich mein Büro betrat schaute ich mich zunächst einmal kritisch um, um zu prüfen ob die Viecher auch diesem Zimmer einen Besuch abgestattet hatten. Aber Gott sei Dank lag ich mit dieser Befürchtung falsch und ich würde mich hüten irgendwelche Essensreste liegen zu lassen um meinem Grauen nicht in meinem Büro zu begegnen.

Dennoch machte ich mich den ganzen Tag darauf gefasst, dass eine Ratte urplötzlich, wie aus dem Nichts die Wand meines Büro´s hinauf sausen konnte.

Mein Büroraum

Mein Büroraum

(Ich hatte vor ca. 3 Wochen, nach der Abreise von Thibu, dessen Büro übernommen. Es war schon ein tolles Gefühl in seinem eigenen Büro arbeiten zu können, obwohl ich es bevorzugt hätte für den direkten Austausch mit meinen beiden Chefs, die gleichzeitig die einzigen fest angestellten Mitarbeitern von VASANOC darstellten, in einem Raum zu sitzen. Anstatt dessen saß jeder abgekapselt in seinem eigenen kleinen Büro und Henry hielt die Tür zu seinem Zimmer meist verschlossen, so dass es manchmal den Anschein hätte, dass er lieber ungestört blieb.)

Zu meinem Glück hatten die Ratten dem „VASANOC Haus“ wohl wirklich nur einen kurzen Besuch abgestattet und es nicht gleich belagert. Da dieser Vorfall nun schon ca. 2,5 Wochen zurück lag und seitdem kein noch so kleines Anzeichen von einer Ratte aufzufinden war, fühlte ich mich vor meinem Albtraum in Sicherheit gewiegt.

Es war jedoch schon ein seltsames Phänomen, dass meine Freundin, die gerade ein Praktikum in Nepal absolvierte mir am vorherigen Abend von ihrer Rattenplage berichtete und die Tiere nur wenige Stunden später auch bei mir auftauchten.
Sie beschrieb mir, wie eine Ratte auf ihrer Arbeitsstelle von einer Schrankkante an den Vorhang sprang und dass auch ihre Wohnung nicht von den Viechern verschont blieb.
Zuvor hatte sie mir von den vielen Kakerlaken in ihrer Wohnung berichtet und kurz darauf, sah ich die Insekten auch aus allen Ecken und Kanten durch meine Küche huschen.

(Also Anja, wenn dir in Zukunft irgendwelche Klapperschlangen oder sonstigen freundlichen Geschöpfe begegnen sollten, dann behalte es einfach für dich ^^… zumindest so lange bis ich wieder in Deutschland bin. ;-))

Mr. Lonsdale - New President of Vanuatu

Mr. Lonsdale – New President of Vanuatu (source: Vanuatu Daily Post, 23. September)

Am Nachmittag sprang Henry durch den Flur und schrie erfreut in einem Singsang „We have a new president, we have a new president“. Das Radio wurde laut aufgedreht und Joe, der Vice President von VASANOC, dessen Büro genau gegenüber von meinem lag klärte mich über das Wahlsystem von Vanuatu auf. Es gab 52 Parlamentsabgeordneten, die aus den 6 verschiedenen Provinzen von den Bürgern gewählt wurden.

Der Präsident hingegen wurde von den Parlamentsabgeordneten selbst gewählt und war nicht dazu verpflichtet einer Partei anzugehören.

Es war legentlich obligatorisch, dass er ein akademisches Amt wie beispielsweise das eines Lehrers oder Priesters inne hielt. Ich war erstaunt, darüber das der Präsident des Landes keiner bestimmten Partei angehören musste, Joe lachte und es lag viel stolz in seiner Stimme, als er mir verkündete, dass Vanuatu das einzige Land sei in dem dies möglich war. Als ich ihn nach der stärksten Partei des Inselstaates frage nannte er zuerst die „moderate nationalists“.
Vorerst war ich überrascht, dass zu der Wahl des Präsidenten kein einziges Wahlplakat in Port Vila aushing, so wie ich es aus Deutschland gewohnt bin, wo kurz vor den Wahlen, die Städte bis oben hin mit Wahlplakaten zugekleistert sind. Doch Joe berichtete mir, dass die Ni-Vanuatu´s ein konservatives Wahlsystem bevorzugten und sich bei der Wahl des Präsidenten vorzugsweise vollständig auf die Abgeordneten verlassen würden und nicht viel für die vollständige Demokratie übrig hätten. So verstand ich warum das Aushängen von Wahlplakaten und das Umwerben der Bürger nicht nötig war.

Zugleich fragte ich mich, ob die Ablehnung der Demokratie wirklich die weiträumige Meinung der gesamten Bevölkerung betraf, oder viel mehr, die des älteren Herren, der mich gerade über das Wahlgeschehen seines Landes aufgeklärt hatte.

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