Stillstand

Hatte ich am Samstagabend noch geglaubt nur einen Abend Pause zu brauchen, um die erlebten Ereignisse sacken zu lassen und mir Zeit zum nachspüren zu nehmen so wurde ich bereits am Sonntag morgen eines besseren belehrt.
Mein Körper schien sich in einem Zustand der Erschöpfung zu befinden, meine Augen brannten und es lag ein starker Unterdruck auf ihnen, so als ob sie sich in meinem Kopf verkriechen wollten, im diesem hämmerte ein leichter stechender Schmerz und meine Muskulatur war bis auf die letzte Faser meines Körpers erschlafft und angespannt zu gleich.

Dieses Gefühl war so intensiv, dass ich es durch meinen gesamten Körper bis in die Zehenspitzen rauschen spürte und die Zirkulation meines Blutes förmlich hören konnte.

Ich schien meinen Körper ins aus kapituliert zu haben, in dem ich 4,5 Wochen lang aus jedem Tag das meiste raus holen wollte was nur ging, dabei hatte ich den Schlaf und die Phase der Regeneration vernachlässigt. Ich sprang von einem Ereignis ins nächste und genoss jede Minute davon bis ich merkte, dass ich physisch zwar anwesend war aber meine Psyche mit all den neuen Erfahrungen, Erlebnissen, Begegnungen, Aktionen und Ausflügen nicht mehr hinter herkam. Es kam mir in den letzten Tag fast so vor als hätte ich sie in meinem diesigem zu Hause zurück gelassen als ich mich auf dem Weg zur Arbeit begab.

Ich habe dieses Bedürfnis nach Ruhe bereits wahrgenommen als ich von meinem intensiven und wundervollen Wochenendausflug nach Tanna, mit dem Besuch zu den Hotsprings und der Besteigung des Vulkans, zurückgekehrt bin. Aber als ich am Abend wieder zu Hause angekommen war blieb mir nicht viel Zeit zum Ausruhen, da es am anderen Morgen wieder zum Praktikum ging. In meiner Mittagspause wäre ich fast eingeschlafen und als ich am Abend im Fitnessstudio auf dem Laufband stand zog ich mir einen bösen Muskelkrampf zu wie ich ihn zuletzt vor einigen Jahren verspürte.

Ich schmiss mich auf den Boden und hätte am liebsten Geschrien vor Schmerz anstatt dessen Biss ich auf mein T-Shirt und versuchte die Muskelverhärtung wieder weich zu klopfen.

(Ich bin vor ca. 2,5 Wochen einem Fitnessstudio direkt um die Ecke meiner Arbeitsstelle beigetreten, werde demnächst zum Ruderverein gehen und warte noch immer auf Antwort von dem neu gegründetem Radverband.)

  • Hatte ich wirklich gemeint mich von Mo.-Fr. in mein Praktikum einfinden zu können, dessen Kommunikations- und Organisationsstrukturen mir immer noch neu sind und zusätzlich jedes Wochenende bis oben hin voll mit Aktionen zu stopfen?
  • Hatte ich angenommen so oft ich nur konnte Sport zu machen, obwohl mein Körper sich eigentlich nach Ruhe sehnte?
  • Hatte ich geglaubt mich ganz nebenbei in eine neue, andersartige Kultur einfinden zu können?
  • Hatte ich mich darauf verlassen, dass es ein leichtes wäre eine neue preiswerte Unterkunft zu finden (da ich in meiner jetzigen Unterkunft nur bis zum 12.10 bleiben konnte)?
  • Hatte ich mir eingebildet die Zeit die ich über den Tag aktiv war von meinem Nachtschlaf kürzen zu können?
  • Hatte ich gedacht den anstehenden Papierkram aus Deutschland ganz am Rande erledigen zu können?
  • Hatte ich vermutet die sage und schreibe über 60 Mückenstiche (ich habe irgendwann aufgehört zu zählen) an Rücken und Gesäß würden mir nichts ausmachen?
  • Hatte ich die starke Einstrahlung der Sonne, die einen so schön sie ist auch schwächen kann,manchmal unterschätzt?

Ja, das hatte ich!

Und jetzt wurde ich eines besseren belehrt. So war ich heilfroh, dass hier am Montag der 6.10, mit dem „Tag der Verfassung“ ein Feiertag war und mir noch ein Tag mehr zur Verfügung stand um mich im Ausruhen und im nichts tuen zu üben – insbesondere weil ich sonst durch eine Seminarteilnahme am Samstag nur den Sonntag frei gehabt hätte.
Zu meiner großen Freude schütteten an diesen Tagen die Wolken zigtausend Tonnen von Wasser aus und der Regen prasselte geräuschvoll auf die Erde nieder.

So konnte ich es gleich noch mehr genießen drinnen zu sein, und dabei dem Wind, dem Rauschen der Bäume, dem strömendem Regen und dem Trommeln des Donnerns zu lauschen.

Regentage in Port Vila... Tropisches Wetter ist eben nicht nur Sonnenschein. ;-)

Regentage in Port Vila… Tropisches Wetter ist eben nicht nur Sonnenschein. 😉

Doch diejenigen die mich kennen wird es nicht wundern, dass ich für meine weitere Zeit hier schon die ein oder andere Aktion geplant habe. Denn ich bin so froh hier sein zu können und das alles erleben zu dürfen, dass ich einfach soviel an neuen Erfahrungen, Erlebnissen, Erkenntnissen, Wissen und Begegnungen mitnehmen möchte wie ich nur kann.

So weiß ich auch in der Südsee meinen Terminkalender zu zücken um zu schauen welche Aktionen wann zu organisieren sind – Ja, ich bin einfach unverbesserlich! 😉

Eine Frage geben ich euch allerdings noch mit auf den Weg:

Ist es möglich das etwas in der Fülle zu „fantastisch“ ist, als das der Körper es mit all seinen Sinnen in kurzer Zeit vertragen könnte?

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