Des Diebstahls beschuldigt

Lese jetzt gerne auch den Artikel „Rattenalarm und ein Neuer Präsident“: hier.


Als ich eines Morgens in der Küche stand und mir noch halb verschlafen meine Frühstückskräcker schmierte, sprang Flavio auf einmal hektisch in die Küche. Er wühlte im Kühlschrank herum, doch das was er suchte schien er nicht zu finden, seine Augäpfel stachen aus seinen Augen hervor und er strich sich nervös durch´s Haar. Er wirkte irgendwie abgekämpft und leicht zittrig, dann kniete er sich auf den Boden und öffnete das Gefrierfach, welches er ebenso hastig durchkramte wie zuvor den Kühlschrank. Dabei fischte er ein paar Geldscheine aus dem Gefrierfach, er wandte sich abrupt zu mir um und pampte mich ruppig an: „Did you take the money?“ Ich war fassungslos über diese Frage und glaubte meinen Ohren nicht zu trauen…

Warum sollte ich sein Geld stehlen? Und wie um alles in der Welt sollte ich darauf kommen, das er dies im Gefrierfach versteckt hielt?

„Nein“ entgegnete ich prompt und durch diesen unerwarteten und unerhörten Vorwurf lag ein bitteres lachen in meiner Stimme. Daraufhin sagte er nichts und rannte panisch aus der Küche heraus, eine gefühlte halbe Minute später stürzte er wieder auf mich zu und baffte mich an:

„Hast du deine Miete schon bezahlt?“

„Ja, direkt am ersten Abend“ erwiderte ich aufgebracht. Er warf mir einen skeptischen Blick zu und fragte mich bellend, ob ich denn auch die gesamte Miete bezahlt hätte.

„Oh´ nein, das durfte doch nicht wahr sein“ dachte ich mir, denn ich hatte extra ganz untypisch und undeutsch darauf verzichtet mir eine Quittung ausstellen zu lassen, um von Anfang an eine lockere Atmosphäre zwischen uns zu schaffen.

Ich wurde langsam auch aufgebracht, dass mich Flavio so dermaßen unfreundlich anging und hoffte bloß, dass sich Gael noch an die Summe erinnern konnte, die ich ihm am ersten Abend bar in die Hand gedrückt hatte. Gael hatte mich nicht gedrängt alles aufeinmal zu bezahlen sondern es mir überlassen in welchen Raten ich die Miete bezahlen würde. Doch ich zog es vor, die gesamte Summe für die Miete auf einen Schlag los zu werden. So beteuerte ich Flavio, dass Gael das Geld für die komplette Zeit meines Aufenthaltes in ihrem Haus bereits erhalten hätte. Er schaute mich misstrauisch an und wollte mir keinen Glauben schenken, dann brüllte er durch die Gegend:

„Money is missing! Money is missing!“ „Well, I didn´t take it“, entgegnete ich ihm so ruhig und gelassen ich nur konnte.

Dieser Vorfall ist nun fast 3 Wochen her, und einen Tag nach diesem Ereignis reiste Flavio für einen Trip nach Japan ab, mit der Bitte seine Katze jeden Tag zu füttern, als sei am Vortag nichts passiert. Ich glaube ich hatte noch gar nicht erwähnt, dass in diesem Haushalt auch eine Katze wohnt.

Als ich Flavio in den ersten Tagen nach ihrem Name fragte schaute er mich abwesend an, zuckte dabei mit den Schultern und meinte nur „dirty cat“, und das traf es ziemlich genau.

Ich hielt Katzen eigentlich für schöne, geschmeidige Tiere, aber diese Katze war alles andere als schön und geschmeidig, sie war wirklich dreckig, sah schäbig aus um nicht zu sagen hässlich, hatte einen scharfen stechenden Blick und mir war irgendwie unbehaglich zumute, wenn sie durch den Raum schlich. Doch da ich kein Unmensch war, willigte ich natürlich ein seine Katze zu füttern. Seitdem habe ich Flavio nicht mehr gesehen.

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