Arbeitswelten

„Control“ „Option“ „Command“ …

Hier hatte man über nichts die „Kontrolle“, wenn gleich sich einem viele „Optionen“ boten, durfte man nicht auf eine „Anweisung“ warten um diese zu ergreifen.
Was sich ohne Kenntnisse über die diesigen Organisationsstrukturen, Kommunikationswege, anderen Gegebenheiten, der vollkommen andersartigen Kultur, dem anderen Verständnis von Zeit, Arbeit und Zuverlässigkeit, Versprechen denen kein Handeln folgte, gegensätzlichen Aussagen und Aktionen und keinem direktem feedback als schwieriger herausstellte als zunächst gedacht.


Ich bin noch gar nicht dazu gekommen euch von dem sehr spannenden, viertägigem „Advanced Sport Management Course“ des „Oceania Sport Education Programes“ zu berichten – genauso wenig von dem eintägigem und nicht weniger interessantem „IOC Athlete Programme“ an dem ich Ende letzter Woche teilgenommen habe. Die Beiträge über diese beiden workshops werden noch folgen.

Doch meine heutige neu gewonnene Erkenntnis möchte ich dem gerne vorweg nehmen.

Denn ich muss eingestehen, dass trotz der tollen Ereignisse wie zum Beispiel der National Youth Games, deren Eröffnungsfeier und der Teilnahme an den Seminaren, das Praktikum zeitweise auch recht frustrierend seien kann.

In meiner zweiten Praktikumswoche hatte ich zwar mit Allan und Thibu  ein Aufgabenfeld für mich erarbeitet habe, aber dieses ließ sich ohne einen wirklichen Praktikumsbetreuer und die entsprechenden Mittel nicht leicht bewerkstelligen.
So hatte ich neue Ideen für die website VASANOC´s, aber diese ließen sich nicht umsetzten, da die technischen Mittel der website, als ein kostenfrei zur Verfügung gestelltes Medium, stark begrenzt waren. Für das Warten der facebook Seite hatte ich kaum Informationen die ich hätte Posten können. Der Newslatter für den ich verantwortlich war wurde bloß alle 2 Monate veröffentlihcht und die weitere Ausarbeitung der Rahmenbedingungen für den „1st Vanuatu Sport Awards“ bedurfte einer Abstimmung der ehrenamtlichen Mitarbeiter, die einmal monatlich tagten.

Hinzu wurden die Vorbereitung der „Opening Ceremony“ des Museumsraumes für Anfang November vorläufig auf Eis gelegt, da Henry (der CEO von VASANOC) es für zu über früht hielt sich damit zu beschäftigen.

Zudem verbrachte Henry die meiste Zeit der Zeit in meetings oder hinter verschlossenen Türen in seinem Büro und immer wenn ich seinen Arbeitsraum betrat war ich mir nicht ganz sicher, ob ich ihn nicht ins Geheim störte. Ich hatte ihm bereits mitgeteilt, dass ich sehr gerne auch an einigen der meetings teil nehmen würde, um beispielsweise einen genaueren Einblick in den Austausch des Olympischen Komitees mit den einzelnen Sportverbänden zu gewinnen, woraufhin er bekräftigend mit einem „sure, sure“ zugestimmt hatte.

Doch vor den meetings informierte er mich nie, so dass ich meist nur noch das „Please do not disturb“ Schild an der Tür erblicken konnte.

Hinzu kam wohl auch, dass viele der meetings auf Bislama abgehalten wurden, von dessen Sprache ich nur das ein oder andere Englische Wort aufschnappte und in meinen bisherigen 5 Wochen hier hatte ich bereits gelernt, dass ein „sure“ alles andere als „sure“ war.

So freundlich Henry auch war musste ich ihm jede Kleinigkeit aus der Nase ziehen und hinter allem so oft es nur ging hinterher sein.

(Was das betraf hatte mir Thibu wirklich keinen vom Pferd erzählt!) In meiner zweiten Praktikumswoche hatte Henry mir versprochen mir eine eigene E-Mailadresse einzurichten, doch das ist nach mehrmaligem nachharken auch 3 Wochen später nicht geschehen und in meiner ersten Praktikumswoche versprach er mir mehrmals mir die pdf. Datei der Stellenausschreibung, die ich für meine Universiät benötige zuzusenden, doch er hat es bis heute nicht gemacht. Als ich für die Erstellung einer Präsentation über VASANOC auf das Netzwerk zugreifen wollte um so an Informationsmaterial zu gelangen und Fotos zu erhalten, stellte sich heruas, dass das Netzwerk nicht funktionierte. Dies schien Henry auch nicht groß zu stören, da alle Daten über E-Mail ausgetauscht wurden. Die Menge der Fotos war jedoch zu groß als, dass er mir sie in kürze in einer einzigen Mail hätte zusenden können. So erkundigte ich mich nach einem Stick, wohin gegen er mir mitteilte das alle Sticks die er besaß voll mit Daten seien und ich sie deshalb nicht benutzen könne.

Da begann ich mich schon sehr zu wundern, da Sticks ja vorrangig zum Transport von Daten und nicht zu deren Aufbewahrung dienten.

James hielt es nicht anders und verbrachte meist den Tag ebenfalls hinter verschlossenen Türen in seinem kleinen Büro, wobei er ab und an die Tür auch offen hielt. Er wirkt oft stark in sich gekehrt und auch wenn ich wusste dass er sehr engagiert für VASANOC war machte er oft einen desinteressierten Eindruck und es schien mir schwer an ihn heran zu kommen.

Zumal er häufig Kopfhörer trug, was noch einmal eine zusätzliche Barriere im direkten Kontakt darstellte.

Als ich Sarah am Abend ein wenig enttäuscht von den Erfahrungen bei meinem Praktikum berichtete, klärte sie mich darüber auf, dass ich mich nicht stressen sollte. Denn jeder der australischen voluneere hatte vor Arbeitsbeginn ein 3 wöchiges kulturelles Training erhalten, bei dem man so gut es ging auf die diesigen Gegebenheiten vorbereitet wurde und in Rollenspielen gelernt hatte mit bestimmten Situationen umzugehen. Außerdem wurden sie mit Unterkünften umsorgt und die Frauen erhielten ein Sichherheitstraining, eine Einführung in dem Umgang mit Männern und ihnen wurde dringlichst eingeschärft sich nicht alleine bei Dunkelheit auf die Straße zu geben – also ab ca. 18:00 Uhr.

Als ich das erfuhr, machte sich Erleichterung in mir breit und ich stellte zufrieden fest, dass ich für die 5 Wochen des Praktikums ohne ledliches Training doch ganz gut dabei war.

Noch viel entscheidender war es jedoch, dass ihnen in dem Training mit auf den Weg gegeben wurde, dass sie…

…nicht den geringsten Anspruch haben sollten auf ihrer Arbeitsstelle innerhalb der ersten 3 Monate auch nur irgendetwas zu erreichen.

Sie sollten sich legendlich damit befassen neue Freunde zu finden und sich mit der Kultur vertraut zu machen, der Rest würde sich mit der Zeit fügen. So erklärte Sarah mir, dass sie wie alle ihre Freunde erst nach einem halben Jahr mit ihrem Arbeitsfeld vertraut waren und ihr Aufgabenfeld für sich selbst abgesteckt hatten. Und einige denen dies nicht gelang reisten vor dem Ende ihrer Zeit als Volunteer wieder ab. Auch wenn der Volunteerjob für eine ehrenamtliche Tätigkeit mit 2200AUD  monatlich (ca. 1510€) sehr gut bezahlt wurde.

Denn in Vanuatu würde einem auf der Arbeit keiner eine Einweisung geben oder auch nur im geringsten darüber aufklären was man zu tuen hatte.

Doch es war keine böse Absicht, dass sie einem sich selbst überließen denn es lag einfach in ihrer Natur. Auch würde einem keiner ein direktes, offen und ehrliches feedback zu seiner arbeiten geben oder etwas kritisieren. So konnte es sein, das etwas für gut befunden wurde, was in Wahrheit als schlecht angesehen war.

Zusätzlich betonte Sarah, dass in Vanuatu alles „sehr, sehr, seeehr langsam“ von statten ging und das es nicht das primäre Ziel war etwas zu erreichen.

Darüber war ich wirklich sehr verwundert und es dauerte eine Weile bis ich begriff, was sie da eigentlich gerade gesagt hatte. Denn das man nicht den Anspruch haben musste etwas zu erreichen und dies auch keiner von einem erwartete, war wirklich eine neue Erkenntnis für mich! Ging es doch in Deutschland immer darum Ziele gezielt und zielstrebig zu verfolgen, Projekte nach einem festgelegtem Zeitplan abzuwickeln mit dem Fokus an das gesetzte Ziel zu gelangen. Wenn dieses nicht erreicht wurde galt das Projekt schnell als gescheitert und es wurde als Niederlage angesehen, dass man die zuvor festgesteckten Ziele nicht errungen hatte. So schien sich die „deutsche Arbeitswelt“ komplett von der in Vanuatu zu unterscheiden.

Und das man für etwas arbeitete aber es nicht im Vordergrund stand etwas bestimmtes zu erreichen und an irgendeinem Ziel an zu gelangen, gab mir eine ganz Neue Sicht auf die Dinge.

Eine Neue Sicht, die die ambitionierten und zielorientierten Züge meiner Persönlichkeit auf die Probe stellen sollten.

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