„Es war nicht immer einfach…“

„Es war nicht immer einfach…“ leitete Thibu seine Abschiedsrede bei einem Abendessen von VASANOC ein, das für ihn ausgetragen wurde.

Erst jetzt begann ich langsam zu begreifen, was er mit diesem Satz gemeint haben musste und welches Ausmaß dahinter stand.
Außerdem begann ich zu verstehen, was Dana implizierte als sie mir erzählte…

dass es eigentlich paradox sei, dass die Ni-Vanuatu´s zwar eine „collectivistic culture“ hätten aber in der Arbeitswelt eine „individualistic culture“ bevorzugten.

Das konnte sie wirklich nicht nachvollziehen, obwohl sie schon seit etwas über zwei Jahren hier lebt und arbeitet. Denn außerhalb ihrer Arbeit beschrieb sie die Ni-Vanuatus als so hilfsbereit und fürsorglich im Umgang miteinander doch bei der Arbeit schienen sie nur auf sich und ihr eigenes Arbeitsfeld fokussiert, und unfähig Teamarbeit zu betreiben. Auch sie empfand es als sehr hart und mühsam sich in ihrer neuen Arbeitsstelle, die sie vor einigen Wochen begannen hatte zurecht zu finden, obwohl sie bereits mit der Kultur und den diesigen Gegebenheiten vertraut war. So hat jeder der australischen Volunteere, mit denen ich bereits gesprochen habe die Eingewöhnungsphase auf der Arbeitsstelle als sehr schwierig beschrieben, da einem keiner beiseite stand oder einem jegliche Einweisung gab.

Viele erzählten mir, dass das Gefühl sich nutzlos vorzukommen und nichts erreichen zu können anfangs sehr frustrierend sein kann.

Aber das ihnen in den kulturellen Einführungswochen ihrer Organisation eingeschärft wurde sich in den ersten Monaten mehr auf das Beobachten des Arbeitsfeldes zu konzentrieren und darauf sich ein Netzwerk aufzubauen. So berichtete mir Nish, mein neuer Mitbewohner, dass er am Anfang Schwierigkeiten hatte, die ganzen Abläufe auf seiner Arbeitsstelle nach zu vollziehen und das er die Sinnhaftigkeit von Aufgaben die ihm aufgetragen wurden nicht verstand.

Er meinte es sei nur „Arbeit um der Arbeit willen“ gewesen.

Es hat etwa ein halbes Jahr gebraucht bis er wusste welche Aufgaben er in seiner Arbeitsstelle genau übernehmen konnte, bis er sich etwas Durchblick verschaffte und auch ein wenig Verantwortung übernehmen konnte.

Auch ich fühle mich auf der Arbeit allein gelassen und verstand manchmal nicht wirklich warum sie einem Praktikum überhaupt zugestimmt hatten, wenn sie sich so wenig um mich scherten und mich gar nicht zu brauchen schienen.

Dieses Gefühl der „Nutzlosigkeit“ fühlt sich manchmal echt doof an und die Kommunikation mit meinen beiden Vorgesetzten, so freundlich sie auch sind, gestaltet sich auf die Arbeit bezogen als echt schwierig heraus! (Siehe dazu auch gerne meinen Blogeintrag: „Arbeitswelten“)

James ist zwar immer Montags hochgradig daran interessiert wie ich mein Wochenende verbracht habe und seine Augen beginnen zu strahlen wenn ich ihm von meinen unglaublichen Unternehmungen und der Begeisterung über sein Heimatland berichte, aber wenn es um die Arbeit geht wirkt er sehr viel weniger kommunikativ.

So fragte ich ihn Gestern beispielsweise, ob er gerade an einem Projekt arbeiten würde um endlich näheres über sein genaues Arbeitsfeld zu erfahren. Doch er entgegnete nur knapp: „No“, mit einem lächeln auf den Lippen und schüttelte dabei den Kopf. Das gab mir das Gefühl, das er das gerade angefangene Gespräch als für beendet empfand und nicht weiter über sein Arbeitsfeld mit mir sprechen wollte.
Das kann manchmal wirklich frustrierend sein und zeitweise scheine ich es fast aufzugeben auf mein Praktikum bezogen hier noch viel erreichen zu wollen. „Aufgeben“ ist vielleicht das falsche Wort es ist mehr das Gefühl der „Resignation“ was sich in mir breit macht, weil ich so viele Anläufe gestartet habe, die alle erfolglos blieben. (Wahrscheinlich kam auch hinzu, dass ich mir bewusst war das meine Zeit hier begrenzt ist und ich keine Chance hatte mich wie die australischen Volunteere erst ein halbes Jahr einzuleben, bevor ich mit der „wirklichen Arbeit“ beginnen konnte.)

Dieses Gefühl war mir bis jetzt in meinem eigenen Kulturkreis fremd, denn ich war immer sehr hartnäckig und engagiert dabei, wenn es darum ging sich in ein neues Arbeitsfeld einzufinden.

Doch hier schien ich im wahrsten Sinne des Wortes vor verschlossenen Türen zustehen.

So würde ich wie Nish es mir berichtete hatte gerne „beobachten“ woran meine Arbeitskollegen den lieben langen Tag arbeiteten, aber da jeder hier in seinem eigenen verschlossenen Kämmerlein saß gestaltete sich dies als fast unmöglich.

Dennoch bereue ich es keines Wegs mich in Vanuatu für ein Praktikum beworben zu haben, denn ich kann so viele tolle Erfahrungen, Erlebnisse und Ereignisse mitnehmen, die ich in Deutschland niemals hätte machen können.

Außerdem wäre es ein Trugschluss zu sagen, dass ich hier nichts lernen würde.

So kriege ich vielleicht nicht so viel von Vanuatu´s Sportlandschaft, den Organisationsstrukturen und dem Bereich des Marketings in der Südsee mit, wie ich es mir erhofft habe aber ich gewinne sehr viele neue Erkenntnisse und lerne neue Dinge außerhalb meines Arbeitsfeldes, die ich bei einem Praktikum in meiner Heimat nicht lernen würde (Siehe dazu den Blogeintrag: „Halbzeit“).

Zugleich sehe ich auch, dass es überhaupt erst das Praktikum ist, was vieles möglich macht, welches mir schon so manche Türen in Vanuatu geöffnet hat und mir eine andere Sichtweise auf das Land ermöglicht, die ich als reine Touristin nicht erhalten würde.

Bevor ich Gestern VASANOC verließ startete ich einen neuen Anlauf und klopfte wieso oft an Henry´s Bürotür an. Auch ihn hatte ich zuvor schon gefragt, woran er gerade arbeitete oder ob er mir erklären könne was er gerade machte. Doch dieses Nachfragen schien ihm geradezu Unbehagen zu bereiten und er wandte meine Frage nur ab und ging nicht weiter dadrauf ein. Ich hatte fast das Gefühl, dass er sich durch die interessierte und offene Frage in die Enge gedrängt fühlte und er es vorzog, dass ich sein Büro wieder verließ.
Gestern jedenfalls antwortete er auf meine erneute Frage hin, ob er mir einen Einblick in sein Arbeitsfeld geben könnte…

„yeah, tomorrow should be ok“. Eine Aussage diese Art schien hier zwar nicht viel zu bedeuten, da mir auch schon außerhalb meines Praktikums vieles versprochen und zugesichert wurde was dann nicht statt fand, aber lassen wir uns überraschen…

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