Vergoldetes Europa aus der Ferne

Extravaganz – Was kostet die Welt?

Als ich Paul, bei dessen Familie ich ein Wochenende in Tanna für die Besichtigung des Vulkans verbracht habe, als Dank zum Essen einladen wollte schien im die Einladung zuerst Unbehagen zu bereiten, doch dann willigte er ein. Ich fragte ihn per SMS, ob er ein gutes Restaurante kennen würde, was nicht „too expensive“ sei, da ich hier selbst zuvor noch nie in einem Restaurante essen gewesen bin und mich nicht auskannte. Bei der Wortwahl nach der preislichen Lange des Resttaurantes überlegte ich extra kurz wie ich es am besten formulierte, denn hätte ich „cheap“ geschrieben, fand ich es würde ein wenig abwertend klingen und der tollen Gastfreundschaft von Paul´s Familie nicht gerecht werden.

An dem besagten Abend holte mich Paul von meiner damaligen Unterkunft in Gael´s Haus ab, dabei spielte sein Onkel, der Taxifahrer war, den Chauffeur.

(Paul schien wirklich für jeden Anlass, das passende Familienmitglied parat zu haben. XD)

Wir fuhren ein kurzes Stück und machten dann vor einem super, schnieken Restaurant halt. Ich stieg aus dem Auto aus, rümpfte die Nase und mir war etwas unbehaglich zu mute. Vor dem Restaurant war ein roter Teppich ausgelegt, von dem Parkplatz aus konnte ich einen Blick auf die festlich eingedeckten Tische erhaschen, die mit prunkvollen silbernen Kerzenleuchtern ausgestattet waren, die Stühle waren alle mit einem Überzug und einer extravaganten Schleife versehen und an der Eingangstür war ein Kellner aufgestellt um die Gäste willkommen zu heißen, auch wenn das Restaurant grenzlos ausgestorben schien. Ich blickte an mir hinunter und ein unwohles Gefühl begann sich in mir auszubreiten, denn mit meinen Turnschuhen und meinem legeren Outfit passte ich aufkeinen fall in dieses Restaurant hinein und vorallem „passte mein Portmaine“ ganz sicher nicht in dieses Restaurant.

Ich begann mich fast ein wenig zu ärgern und dachte leise bei mir, was sich Paul wohl gedacht hatte wieviel Geld ich eigentlich besaß und was er unter nicht „too expensive“ verstand?

So gab ich ihm, noch bevor wir das Restaurant betraten, freundlich zu verstehen, dass mir dieses Restaurant ein wenig „over the top“ schien und fragte ihn, ob wir nicht in ein anderes, etwas preiswerteres Restaurant gehen könnten. Daraufhin stiegen wir wieder ein und fuhren weiter zum nächsten Restaurant, welches schon sehr viel besser aussah.


Europäische Studenten mit gefüllten Portemonnaies

Bevor ich nach Vanuatu reiste und Henry, den CEO von VASANOC, um Hilfe für die Suche nach einer Unterkunft bat, mit dem Wunsch mit anderen Leuten zusammen zu leben und nicht in einem Hotel zu wohnen, teilte er mir mit, dass ich mich ja im Internet nach einer Möglichkeit umsehen konnte.

„Na, toll!“ schoss es mir durch den Kopf, denn ich hatte zuerst gezögert Henry überhaupt zu fragen.

Von Deutschland aus war es zwar einfach teure Hotels zu finden, aber es gestaltete sich als gar nicht so einfach Kontakte am anderen Ende der Welt ausfindig zu machen mit denen man zusammen leben konnte. So startete ich einen neuen Anlauf, in dem ich Henry meine Beweggründe für den Wunsch schrieb mit anderen Leuten zusammen wohnen zu wollen und ihm versuchte zu erklären, dass sich die Suche nach einer WG von Deutschland aus als schwierig heraus stellte. Des Weiteren berichtete ich ihm, dass mein Budget als Studentin nicht sehr hoch lag.
Daraufhin schlug er mir als günstigste Variante ein Hostel vor, welches 25€ pro Nacht kosten sollte und in seiner E-Mail schwang ein leicht genervter Unterton mit.

Hochgerechnet beliefen sich die Kosten für eine Unterkunft nach Henry´s Vorschlag somit auf ca. 775€ pro Monat, dabei fragte ich mich, welche Vorstellungen Henry über das Monatsbudget eines europäischen Studenten hatte und was er unter „nicht sehr hoch“ verstand?

Letztendlich hatte ich eine günstigere Unterkunft für ca. 14€ pro Nacht über hostelworld.com gefunden, in der ich die ersten Nächte in Port Vila verbrachte. Als Henry in den ersten Tagen meines Aufenthaltes von der Lage des Hostels erfuhr teilte er mir entsetzt und belustigt zu gleich mit, dass ich ihn um Hilfe bei der Suche nach einer Unterkunft hätte bitten sollte.

„Du Scherzkeks“, dachte ich mir dabei nur.


„How much money do you have?“

Als ich neulich in den Bus einstieg, fragte mich der Busfahrer aus dem Nichts heraus „How much money do you have?“ Ich war so verwundert über diese unerwartete Frage und glaubte meinen Ohren nicht zu trauen, hatte sich der mir unbekannte Mann soeben wirklich nach der Menge meines Geldes erkundigt?

So fragte ich noch einmal nach: „Wie, bitte?“ Daraufhin wiederholte er seine Frage: „How much money do you have?“ „Well I have 150vt for you“…

…entgegnete ich schlagfertig und scharfsinnig auf seine erneute Nachfrage und konnte die Anfrage immer noch nicht so richtig fassen. Der Busfahrer begann zu grinsen und wollte weiterhin wissen, wo ich genau wohnte, ob ich einen Freund oder Ehemann hatte und wie meine Telefonnummer lautete. Ich war nach einer Zeit wirklich genervt und teilte ihm fälschlicherweise mit, dass ich hier kein Handy besaß, damit er Ruhe gab. Doch er war hartnäckig und gab nicht so schnell auf, so nahm die stachelige Fragerei, die gesamte Busfahrt kein Ende.


Sicherlich könnte man uns alle, im Vergleich zu dem durchschnittlichen Monatseinkommen eines Ni-Vanuatu´s als reich bezeichnen, wenn man Reichtum ausschließlich nach der Menge des Geldes definierte.

Ich konnte es sogar nachvollziehen und ihnen nicht verdenken, dass ich in den Augen der Einheimischen eine reiche Europäerin war. Denn weltweit jeder, der über die Möglichkeit verfügte Reisen in andere Länder zu unternehmen war schon einmal per se „reich“. Des Weiteren schien Europa aus der Ferne betrachtet vielleicht als vergoldet und Deutschland als übermäßig reich und natürlich bin ich mir bewusst das unser Heimatland zu den Industrieländern und den wohlhabendsten der Welt gehört.

Dies änderte jedoch nichts daran, dass ich mir eine Monatsmiete von 775€ ohne jegliches Praktikumsgehalt nicht leisten konnte, und dass ich die direkte Frage eines Unbekannten nach der Menge meines Geldes (ganz egal ob in Vanuatu oder Deutschland), als unverschämt empfand.

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