Die Sicht der Dinge

„Sprecht ihr in Deutschland eure eigene Sprache?“

Ich wurde schon des Öftern von jungen Frauen meines Alters oder Mädchen gefragt, ob wir in Deutschland unsere eigene Sprache sprechen würden.

Jedesmal wenn ich diese Frage bejahe, blicke ich in große erstaunte Augen und bin gerade zu belustigt über ihre verblüfften Gesichter über die Existenz der Deutschen Sprache.

Manchmal fragen sie verwundert genauer nach, da sie angenommen hatten, dass wir alle ausschließlich Englisch sprechen würden. Dann erkundigen sie sich, ob in Deutschland nur eine oder mehrere Sprachen gesprochen werden. Daraufhin erkläre ich ihnen, das mein Heimatland wohl nicht so eine Vielfalt an Sprachen  besitzt wie das ihre, aber das wir auch Akzente und Redewendungen haben, die nur in bestimmten Regionen gebraucht bzw. gesprochen werden. Zudem berichte ich ihnen von dem Plattdeutschen, welches im tiefen Norden meist von den älteren Menschen gesprochen wird oder von starken Akzenten im Süden Bayerns, bei denen auch ich Schwierigkeiten hätte sie zu verstehen.


Einzelkinder in Deutschland

Des Weiteren sind alle immer sehr überrascht, wenn ich ihnen auf Nachfragen offenbare, dass ich keine Geschwister habe, sondern Einzelkind bin. Daraufhin fragen sie oft ganz entgeistert nochmals nach: „Wirklich, du hast keinen einzigen Bruder oder eine Schwester.“ „Ja, genau“ lache ich dann und erkläre ihnen, dass es in Deutschland nicht unüblich sei, Einzelkind zu sein.
Dem füge ich meistens hinzu, dass es natürlich auch viele Leute gibt die Geschwister haben, damit sie aus meiner Erzählung nicht schließen, dass unsere gesamte Nation nur aus Einzelkindern bestehen würden.

(Denn einmal hat mich ein Busfahrer gefragt, ob in Deutschland auch eine „Einkind-Politik“ wie in China betrieben wird.)


Die „Deutsche Mauer“ im Vergleich mit dem „Gazastreifen“ und der „Chinesischen Mauer“

Als ich Sony von der deutschen Mauer berichtete, war sie total erstaunt, da sie noch nie von der damaligen Trennung Deutschlands in Ost und West gehört hatte.

So fragte sie interessiert nach: „Ah´ so wie der Gazastreifen?“

Jetzt war ich diejenige, die verblüfft drein blickte, ich schüttelte verwundert den Kopf über diesen Vergleich und entgegnete ihr „Nein, nicht wirklich.“ Anschließend gab ich ihr einen kleinen Einblick in die deutsche Geschichte und erklärte ihr was es mich der deutschen Mauer auf sich hatte. Soweit ich mich entsinnen kann erkundigte sie sich dann weiter:

„Ah´ sowie die Chinesische Mauer.“


Deutschland als eine einzige, riesige Fabrik ohne Grünfläche

Außerdem bedauerte mich Sony, darüber dass ich in Deutschland nur von Fabriken und hohen Häusern umgeben sei, und fügte hinzu dass es doch wirklich schön für mich sein müsste nun auch einmal die Natur zu erleben. „Oh“ entgegnete ich ihr und klärte sie darüber auf, dass wir in Deutschland auch Grünflächen und Wälder hätten, auch wenn diese vielleicht nicht so atemberaubend seien wie die Naturwunder Vanuatu´s.

Daraufhin war sie wirklich erstaunt und ich fragte mich verwundert, ob sie Deutschland zuvor wohl nur als eine einzige riesen große Fabrik gesehen hatte?


Zu alt als Mutter mit 34´

Annolyn, eine aufgeweckte, fröhliche Kollegin von mir, die zwar nicht unmittelbar für VASANOC, aber in dem gleichen Gebäude für die Initiative „Stop HIV“ arbeitet, klärte mich vor ein paar Wochen über die Ansichten des Mutterwerdens in Vanuatu mit Anfang 30 auf.
Sie wurde mit 34 Jahren schwanger, da sie sich zuvor noch nicht bereit gefühlt hatte für die Mutterschaft. So wollte sie ihre Träume leben, zuvor beruflich Fuß fassen und sie nahm als Tischtenisspielerin an den Olympischen Spielen 2012 in London teil. Sie wusste sich glücklich zu schätzen, dass ihr Ehemann gerne wartete bis sie bereit für ein Kind war, da es in Vanuatu nicht unüblich sei, dass Mädchen bereits mit 14 schwanger werden. Wobei dies auch hier zu Lande eher eine Ausnahme ist, doch junge Frauen gebären oft ihm Alter von 16-19 bereits ihr erstes Kind – spätestens aber Anfang 20.

Als Annolyn sich zur Voruntersuchung in ein Krankenhaus begab, beschuldigten sie die Ärzte, dass sie viel zu alt sei und dass es unverantwortlich sei mit 34 Jahren das erste Kind auf die Welt zu bringen.

Sie sagten ihr sogar, dass ihr Kind ungesund zur Welt kommen würde, obwohl es dafür keinerlei Indizien gab, schlicht weg wegen ihres Alters.
Doch die charakterstarke Annolyn berichtete mir, dass sie sich den Ärzten widersetzte. So verkündete sie ihnen, dass sie wüsste, dass ihr Kind gesund zur Welt kommen würde, da sie selbst gesund sei und sich bereit für ein Baby fühlen würde.


„Die Anzahl der gekänzelten Flüge liegt nicht hoch, sie beläuft sich auf unter 60%.“

Diese Woche habe ich mein Flugticket für einen Besuch auf die Insel „Espiritu Santo“ für das Ende meines Aufenthalts in Vanuatu gebucht.
Da ich schon des öfteren davon gehört hatte, dass Flüge auf Grund zu schlechter Wetterbedingungen oder technischer Probleme gekänzelt wurden, erkundigte ich mich bei der Buchung wie viele Tage im voraus ich wieder in Port Vila landen sollte um sicherzustellen, dass ich meinen Flug nach Deutschland kriegen würde. „Ahh, so eine Woche vorher“ sollte ausreichen, antwortete mir der Mann im Büro der Fluggesellschaft „Air Vanuatu“.
„Eine Woche?“ fragte ich entsetzt und erklärte ihm, dass ich erst eine Woche vor meiner Rückreise nach Deutschland nach Santo los fliegen könnte, da ich zuvor noch mein Praktikum bei VASANOC absolvieren würde.

„Oh, achso“ entgegnete er, woraufhin ich ihn fragte ob es nicht ausreichen würde, wenn ich den Rückflug nach Port Vila zwei Tage vor meiner Abreise nach Europa buchen würde. „Ja, ja – klar“ meinte er, „das sollte auch gehen“.
Ich war verwundert, wie aus einem „komme eine Woche zuvor zurück“ auf einmal „2 Tage vorher“ sind kein Problem werden konnte. So erkundigte ich mich skeptisch, ob die Rate der gekänzelten Flüge hoch liegen würde. Daraufhin winkte er ab „Nein, nein die ist nicht hoch, die liegt bei unter 50% oder 60%“.

Ich begann innerlich zu lachen, denn ich hatte mit höchstens 10% gerechnet und was auch immer er genau „unter 60%“ verstand, hielt ich für überaus hoch.


Ein Ni-Vanuatu bei der Passkontrolle in Deutschland

In meiner zweiten Woche in Port Vila schilderte mir Henry, wie er vor ein paar Jahren in Deutschland an der Passkontrolle gestanden hatte und die Polizeibeamten seinen Pass kritisch begutäugelten. Der erste Beamte wusste mit dem Pass nichts anzufangen und reichte ihn weiter an seinen Kollegen, dieser fragte Henry dann:

„Sind sie sicher, dass es dieses Land gibt?“

Bei dieser Erzählung schämte ich mich fast ein wenig für meine Landsleute. Doch Henry schien so belustigt über die Erinnerung an dieses Erlebniss, dass auch ich zu lachen begann.

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