Bröckelndes Paradies

Ich möchte gerne eine Geschichte mit euch teilen, die mir diese Woche beim Mittagessen auf dem Markt von einem älteren deutsch-amerikanischen Ehepaar zugetragen wurde. Der Mann gab, der gesamten Tischrunde ihre Erlebnisse der letzten 2-3 Tagen, die wirklich mehr als turbulent waren, zum besten und ich begriff einmal mehr, dass man sich auch vom Paradies nicht täuschen lassen sollte.

Das Ehepaar war auf der Suche nach einem Ort, an dem sie sich für ihren in zwei Jahren bevorstehenden Ruhestand, niederlassen wollten.

Vanuatu schien ihnen das perfekte Land für dieses Vorhaben zu sein, da sie sofort begeistert waren von der Freundlichkeit und Herzlichkeit der Leute sowie der atemberaubende naturelle Kulisse, die sie in ihren Bann gezogen hatte.
Zudem schien es ihm der lässige Lebensstil auf Vanuatu angetan zu haben, da er kurz ausschweifte und erklärte, dass er früher in Deutschland Gras geraucht hatte, was aber verboten sei. Worüber er sich ziemlich aufregte, da er meinte, dass Gras zur Gelassenheit beitragen würde, Alkohol hingegen würde die Leute nur agressiv stimmen. Aus diesem Grund sagte ihm die Kultur des Kava-Trinkens auf Vanuatu sehr zu.

Die Eheleute flogen vor einigen Tagen auf die Insel Ambrye, auf der sie sich nach einem Haus umschauen wollten. Sie wurden überraschend schnell fündig und tätigten sofort eine Anzahlung für ein wunderschönes Haus mit großem Grundstück Nahe des Strandes. Der Mann berichtete begeistert, dass er sich sehr über die schnellen und einfachen Abwicklung des Hauskaufes freute.

Da dies in Deutschland mit sehr viel lästigem Papierkram verbunden sei, hier hingegen würde ein einfacher Handschlag und ein „paar Geldscheine“, als Anzahlung ausreichen um einen Hauskauf unter Dach und Fach zu bringen.

Nachdem die Eheleute, glücklich über ihre soeben besiedelte Zukunft des Rentner Daseins, sich am Strand ihren neuen Nachbarn vorstellten, teilten diese ihnen mit, dass das Haus bereits verkauft war. Das Ehepaar konnte seinen Ohren nicht trauen, hatten sie doch eben noch ein nettes Sümmchen als Anzahlung für dieses Haus gezahlt. So schien ihr Traum und die sich aufgebauschte Seifenblase eines Paradieses von einem auf den anderen Moment zu platzen…

…und der Gang zur Polizei war auf einmal nicht mehr zu lässig und beschwingt, wie der Mann den Lebensstil auf Vanuatu zuvor beschrieben hatte.

Der Mann der ihnen, das Haus verkaufen wollte, stellte sich als ein bekannter Betrüger und Dorfdieb heraus. Das Ehepaar war fassungslos und konnte nicht glauben, warum sich der Dieb, der bereits für mehrere Taten als schuldigen befunden wurde, nicht hinter Gittern befand. Der Polizeibeamte zuckte mit den Achseln, beteurte aber den Betrüger unmittelbar fest zu nehmen.

Als die Eheleute wieder in Port Vila landete und in ihre Unterkunft fuhren, mussten sie mit entsetzten feststellen, dass bei ihnen eingebrochen wurde, während sie bei ihrem Hauskauf auf Ambrye betrogen wurden.

Die Diebe hatten alles mitgenommen was sie tragen konnten und machten auch vor dem Bier und dem letzten Rest Eiscreme im Tiefkühlfach nicht halt. Das Smartphone jedoch, welches sich in eine Hülle befand und offen auf dem Nachttisch lag, schienen sie als solches nicht erkannt zu haben, da sie es zurück gelassen hatten.
Der Mann schüttelte bei dieser Erzählung belustigt und bitter zugleich lachend den Kopf und meinte mit einem Blick auf seine Frau, dass er diese wohl nicht so schnell dazu bewegen konnte nach Vanuatu zurück zukehren.

So wurde für das Ehepaar aus „wir kaufen uns ein Haus im Paradies“ ein dreitägiger Albtraum.

Ich bin für meinen Teil froh, dass ich mich bis jetzt immer auf Vanuatu habe verlassen können, und dass es mich noch nie im Stich gelassen hat. Die Leute scheinen mir noch genauso herzlich, offen und hilfsbereit wie zuvor und ich bin immer noch fasziniert und gerate bei der Bewunderung Vanuatus Naturwunder jedes mal auf´s Neue ins Staunen.
Doch mittlerweile habe ich nach ca. 8 Wochen meines Aufenthaltes hier auch einen Blick hinter die Kulissen werfen dürfen und gesehen, dass auch das Paradies zwei Seiten hat.

Für diese Einblicke und auch für den direkten Kontakt mit Einheimischen bin ich sehr froh und dankbar, denn es weitet meinen Blick auf die Sicht der Dinge und bietet mir verschiedene Perspektiven auf den Inselstaat.

Perspektiven die wohl im verborgenen bleiben würden, wenn ich mich ausschließlich als Tourist durch das Land bewegen würde.
Es liegt mir fern mit dieser Geschichte Vanuatu, als ein Land der Diebe und Gauner zu entlarven, denn wegen ein paar Vorfällen kann man kein ganzes Land über einen Kamm scheren. Zudem gibt es in jedem Land Betrüger und Einbrecher.

Doch ich begreife allmählich was Henry implizieren wollte als er mich darüber aufklärte, dass Bilder schnell lügen können und ein Bild eben auch nur ein Bild ist.

Als ich ihm an meinem ersten Tag in Vanuatu voller Begeisterung von all den Bildern, die ich zuvor von seiner Heimat bewundert hatte, erzählte.
In der Kategorie „Fotos“ meines Blogs habe ich die Aufnahmen mit „Bilder sagen mehr als 1000 Worte“ angekündigt. Doch die Wahrheit ist wohl, dass man sich bewusst machen muss, das hinter jedem Bild, sehr viel mehr steckt, als das was das Bild zu zeigen vermag. Zudem ist jedes Foto subjektiv und spiegelt die Sicht der Dinge, desjenigen der sie aufgenommen hat wieder. Außerdem können Bilder auch in die Irre führen und täuschen. Die Fotos von meinem Tauchausflug beispielsweise waren alle total vergilbt und grünlich, so hat es mindestens 7 Stunden gebraucht, bis ich die für mich schönsten Bilder rausgesucht, zusammengestellt und überarbeitet hatte.

Nach meinen Erzählungen berichtete mir eine Freundin neulich, dass sie nicht an das Paradies glauben würde – zumindest nicht auf Erden.
Doch da ich an kein Paradies im Himmel glaube, will ich euch die Vorstellung eines Paradieses am anderen Ende der Welt auch nicht nehmen. XD

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