Pacific Mini Games 2017

In meiner vierten Praktikumswoche bot sich mir die einmalige Gelegenheit an dem „Advanced Sport Management Course“ (MOSO) des „Oceania Sport Education Prgorammes“ (OSEP), anlässlich der Vorbereitungen für die „Pacific Mini Games 2017“, teil zunehmen. Die Pacific Mini Games werden im Jahre 2017 zum zweiten Mal in Vanuatu ausgetragen und bereits jetzt steckt das Olympische Komitee in den Vorbereitungen dieser Spiele.

Einen Tag zuvor hatte ich noch sage und schreibe eine ganze Stunde hinter dem Kopierer gestanden um die Kursunterlagen für das Seminar zu kopieren. Mit dem Kopierer kann man keine beidseitigen Drucke tätigen, so musste ich Seite für Seite das Druckfach öffnen, damit die Blätter von beiden Seiten bedruckt wurden.

Zugegebnermaßen fühlte ich mich kurzweilig wie die dumme Praktikantin, die man an den Drucker abgeschoben hatte.

Doch ich merkte schnell, dass diese Tätigkeit nicht mit dem üblichen deutschen Klischee eines Praktikanten der nur „Kaffee kocht und kopiert“ zu vergleichen war. Denn hier stand jeder mal hinter dem Kopierer, egal welche Position er ausübt. So war ich total verblüfft als mir James an dem ersten Seminartag auf Nachfrage verkündete, dass er noch 5-6 Stunden bis in die Nacht hinein mit dem Kopieren beschäftigt war.

Seminarraum im VASNOC Gebäude.

Seminarraum im VASNOC Gebäude.

Der Kurs MOSO stellte den Einleitungskurs einer längeren Kursreihe für die hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitglieder der verschiedenen „National Sport Federations“, die VASANOC angehören, dar.

Die Kurse sind Teil des Bildungsprogrammes des International Olympic Committee´s (IOC) und werden von der Olympic Solidarity unterstützt.

Sie sollen dazu beitragen, dass die Mitglieder der Sportverbände ausreichend für die Austragung der Mini Games vorbereitet und zu qualifiziert sind.
Für den Kurs sind extra zwei Referenten von OSEP aus Fiji angereist sowie der CEO des Olympischen Komitees der Cook Islands, der von seinen Erfahrungen über die Austragung der Spiele in seiner Heimat im Jahre 2009 berichtete.

Am Anfang des Seminares sollten wir uns unseren Sitznachbarn mit den Worten: „I am in the right room are you in the right room?“ vorstellen.

Dies sollte laut Tankiu, dem engagierten Referenten von OSEP, untermauern dass

Der engagierte Referent Tankiu, von OSEP.

Der engagierte Referent Tankiu, von OSEP.

„to achieve goals together“ unser „common goal“ werden sollte.
Nachdem sich Tankiu, ein kleiner Mann im quitsch gelben Blumen Hemd, sowie ein Abgesandter des Ministeriums für „Youth and Sports“ kurz vorstellte, wurden wir gebeten für ein kurzes Gebet aufzustehen. Als ich in die tief gläubigen Gesichter um mich herum blickte, die teils ihre Köpfe senkten, teils Gedanken versunken die Augen zusammenkniffen, fühlte ich mich ein wenig unwohl in meiner Haut. Denn die unerschüttliche Gottes Frömmigkeit, die mich umgab, war mir fremd und ich fühlte mich fehl am Platz. Doch auch ich senkte respektvoll den Kopf und lauschte dem vorgetragenem Gebet.

Später stellte sich herausstellen, dass während des Seminares vier mal täglich gebetet wurde.

Vor dem Seminar wurde an die Gruppe appelliert: „So could we plase give the first minutes to the Lord?“ Anschließend begann das Gebet beispielsweise mit „help us to acheive widsom, knowledge, unterstanding and to listen to the idea of others“. Das zweite Gebet folgte vor der Frühstückspause, das dritte vor dem Mittagessen um für die Speisen, die Gott uns bescherte zu danken und um Nahrung für die zu erbitten, die nichts hatten. Das letzte Gebet wurde am Ende eines jeden Tages abgehalten, um vor Gott wertzuschätzen und für das zu danken was man an diesem Tag für sich mitgenommen hatte.

Nach dem kurzen Gebet am ersten Seminartag, fragte der Abgesandte des Ministeriums in die Runde hinein ob es generelle Fragen zu der Austragung der „Pacific Mini Games 2017“ gäbe, bevor er sich verabschiedete. Debbie´s Hand schnellte sofort hoch und sie erkundigte sich spitzfindig, ob die 1-2 Swimming Pools, die extra für die Austragung der Spiele erbaut werden sollen, anschließend einen Nutzen finden würde. Sie fügte das Beispiel der letzten „Youth Olympic Games“ in China an, nach denen die Swimming Pools nicht mehr gebraucht wurden, unnötige Kosten verursachen und vermutlich verkommen würden. Der Abgesandte des Ministeriums verkündet, dass es noch unklar sei, was mit den Schwimmbädern nach den „Pacific Mini Games“ geschehen soll. Woraufhin eine kurze Diskussion ausbrach und auch der CEO, der Cool Islands sich einmischt und skeptisch nachfragte:

„What benefit do the swimming pools have for our community? Who is going to look after them after the event?“

Die zusammen getragenen "hope´s" und "concearn´s" aller Seminarteilnehmer.

Die zusammen getragenen „hope´s“ und „concearn´s“ aller Seminarteilnehmer.

Mir gefiel es sehr, dass auch heikle Fragen dieser Art während des Seminares besprochen wurden. Doch der Abgeordnete schien mit seiner offenen Frage nicht erwartet zu haben gleich eine solch kritische Diskussion breitgetreten zu haben, unsicher gibt er das Wort wieder an Tankiu. Der uns nun auffordert unsere „hope´s“ und „concearn´s“ für das bevorstehende viertägige Seminar aufzuschreiben. Anschließend stellt sich jeder kurz vor, so erfahre ich, dass die anderen Seminarteilnehmer unter anderem von dem Cricket-, Netball-, Athletics-, Table Tennis-, Karate-, Rugby- und Volleyball- Verband kamen.

In der Frühstückspause wurden tagtäglich leckere, frische Früchter aufgetischt.

In der Frühstückspause wurden tagtäglich leckere, frische Früchter aufgetischt.

In der Frühstückspause komme ich mit zwei Frauen ins Gespräch, eine von ihnen arbeitet für den Cricket Verband und die andere für den Netball Verband. Sie erklären mir, dass es nur wenige Verbände gibt, die genügend Geld zur Verfügung hätten um festangestellte Mitarbeiter zu beschäftigen. Woraufhin ich überrascht bin zu erfahren, dass der Netball Verband mit drei festen Mitarbeitern mehr Angestellte hat als das Olympische Komitee des Landes.

Nach der Pause wurden Regeln für die Dauer des Seminars von der gesamten Gruppe gesammelt und auf einem Plakat aufgelistet. Die aufgestellten Regeln lauteten wie folgt: stick to time, mobiles on silent, sonsiderate to others, no E-Mails during course, ask good questions, enjoy, teamwork.

Mit der finalen Regel: „Enjoy sharing as a team.“

Rob, der CEO des Olympischen Komitees der Cook Islands.

Bei der ersten Regel, die der CEO des Olympischen Komitees der Cook Islands lauthals verkündet hatte mussten alle grinsen, und der Referent fügte schmunzelnd aber bestimmt hinzu:

„Und damit meine ich nicht „island time“!

Lese hier gerne einen Artikel zum „Verständnis von Zeit“ in Vanuatu.
Lese im nächsten Beitrag gerne mehr über das Seminar und erfahre warum ich verdutzt bin, dass das Sprichwort „sharing is caring“ über das gesamte Seminar, propagiert wurde, doch am Ende nicht viel davon übrig blieb.

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