Vanuatu: Fröhlich bei Tag, Düster bei Nacht?

Ich habe in meinen Blogeinträgen ja schon mehrmals einfließen lassen, dass mir hier von allen Seiten, sowohl von Einheimischen, als auch von ansässigen Ausländern, eingeschärft wurde, dass ich mich nicht alleine durch die Dunkelheit begeben sollte.

Jedesmal liegt bei diesen Warnung die Gefahr spürbar in der Luft, doch bis jetzt konnte ich sie noch nicht greifen, wahrscheinlich weil mir noch nie von einem Vorkommnisse berichtet wurde.

Natürlich habe ich ihnen glauben geschenkt und bin nie naiv durch die Dunkelheit gewandert.
Auch habe ich euch schon beschrieben, dass es quasi nicht möglich ist sich nicht alleine bei Dunkelheit durch Port Vila zu bewegen, da es bereits um 18:00 Uhr stock dunkel ist.

Es braucht vielleicht auch nicht immer ein konkretes Beispiel bis man sich einer Sache bewusst wird. Aber manchmal hilft es einem sich etwas deutlich vor Augen zu führen und klarer werden zu lassen. Denn ich habe es immer als komisch empfunden, dass alle bei kurzen Nachfragen auf ihre Warnungen nur die Augenbrauen hoch gezogen haben und eindringlichst entgegnet: „Du solltest es nicht tuen!“.

Es schwappte immer ein gefährlicher Unterton mit und ich hatte das Gefühl, das alle von einem Port Vila wussten, von dem ich nichts wusste und das etwas im verborgenen lag, über das keiner sprechen wollte und das als dunkles Geheimnis bewahrt wird.

Ein Geheimnis, dass sich mir offenbaren sollte, als ich eines Abends gegen 21:00 nach Hause kam. Stacy, eine Freundin meiner Mitbewohner, die für eine Woche zu Besuch war, fragte mich kritisch: „Bist du alleine mit dem Bus gekommen?“ Ich bejahte ihre Frage, woraufhin sie mich skeptisch ansah und meinte: „Ich weiß nicht ob dir jemand über die Sicherheit in Vanuatu in der Dunkelheit berichtet hat, aber als Frau solltest du nicht allein draußen sein.“

„Ja“ entgegnete ich ihr und fügte hinzu, dass ich mir dessen bewusst sei, ich mich aber auch nicht gegen 17:30 bei Sonnenuntergang in mein Kämmerlein einschließen wollte.

(Stacy ist wie meine Mitbewohner eine australische Volunteerin, sie arbeitet jedoch auf einer kleineren Insel, namens „Numea“.) Sie mampfte ihr Müsli und musste bei meiner Antwort kurz auflachen. Sie pflichtete mir bei und meinte, dass ich natürlich recht hätte, aber dass ich mich am Abend besser abholen lassen sollte oder zumindest jemandem eine SMS schreiben sollte, dass ich mich auf dem Heimweg begeben habe. Ich war ihr dankbar für die Ratschläge, doch in dieser kurzen Zeit die ich bis jetzt hier war stand ich niemandem so nahe, dass ich ihn jeden Abend bitten wollte mich abzuholen.

Zudem ist es ernüchternd sich bewusst zu machen, dass man hier ab den Abendstunden als Frau nichts mehr wert zu sein scheint und auf einen Babysitter angewiesen ist.

Da es noch unsicherer war, alleine an der Hauptstraße entlang zu spazieren bleibt mir also nichts anderes übrig, als mit dem Bus nach Hause zu fahren.
Stacy klärte mich darüber auf, dass wenn ich schon in den Bus einsteigen würde ich mich wenigstens ganz nach hinten setzten sollte. Dies tat ich ohne hin schon, um den eindringlichen Fragen der Busfahrer zu entkommen. Sie fügte hinzu, dass ich bei Nachfragen immer sagen solle, dass mein Ehemann auf mich zu Hause warten würde und meine Eltern auch hier wohnen würden.

Auch das war mir nicht neu und ich hatte schon Übung in dem Fragespiel mit den Busfahrern.

Dann erzählte ich ihr von einer Situation mit einem Busfahrer und seinem Freund, der als Beifahrer mitfuhr. Dieser junge Mann war so aufdringlich, dass es mich nicht gewundert hätte wenn er an einer anderen Seitenstraße als der meinen abgebogen wäre. Bei diesem Gedanken, schoss es mir schon durch den Kopf, dass ich es mit den beiden jungen Kerlen aufnehmen könnte und ich bereitete mich innerlich auf einen Kampf vor.

Sie waren zwar in der Überzahl, doch einer von ihnen war nur ein „halbes Hemd“ und der andere wirkte nicht sehr interessiert. Zudem war ich stark und vor allem schnell.

Stacy war nicht verwundert über meine Erzählung, doch sie schien erleichtert, dass es bei mir nur ein kurzes Gefühl der Gefahr war, welches über mich kam sich Gott sei Dank jedoch nicht bewahrheitete. Dann berichtete sie mir, dass sie während ihres 10 monatigen Aufenthaltes hier bereits zwei mal an den Haaren in die Büsche gezogen wurde und die Männer sie beide male vergewaltigen wollten. Beim zweiten Mal trug der Mann sogar ein Messer bei sich, doch sie schaffte es beide male sich loszureißen und davon zu rennen. Außerdem erzählte sie mir von der Erfahrung einer Freundin, die ebenfalls von einem Mann mit einem Messer bedroht wurde, der ihr sogar einschärfte, dass er sie töten würde, wenn sie nicht mit ihm mit kam.

„Come with me or it is your life!“…

habe er sie eingeschüchtert. Dann hat er sie von hinten mit beiden Armen fest umklammert und in die Büsche zehren wollen, doch sie schaffte es irgendwie sich los zu reißen. Er zog sie wieder zurück und warnte sie umzubringen. Daraufhin drückte sie ihm mit aller Kraft die Daumen, auf die Augen und versetzte ihm mit ihrem Knie einen saftigen Stoß in das Geschlechtsteil.

Diese Erzählung verliehen den vorherigen Warnungen eine ganz andere Dimension…

…und ich war schockiert, dass Stacy gleich zwei mal während ihres Aufenthaltes hier nur knapp einer Vergewaltigung entkommen war. Zudem konnte ich nicht einschätzen, wie ich reagieren würde wenn mir jemand ein Messer vor die Brust halten würde und mir drohen würde mich umzubringen, wenn ich ihm nicht folgte. Würde ich lauthals schreien und mich wehren oder in eine Starre verfallen?

Natürlich würde wohl jeder von uns (eingeschlossen mir) sagen, dass er sich wie Stacy´s Freundin wehren und losreißen würde.

Aber kann man das wirklich von sich behaupten wenn man glücklicherweise noch nie in so einer Situation gesteckt hat und noch nie um sein Leben bangen musste?

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