Klein, Klein ist die Welt

Letzte Woche, als ich auf dem Weg zur Arbeit in einen Bus einstieg, drehte sich auf einmal ein älterer Herr, der kurz vor mir eingestiegen war, zu mir um.

Er zückte seine Sonnenbrille, streckte mir seine Hand entgegen und sagte mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen „Hey, I am David you must be my neighbour.“

David hatte strahlend weißes Haar, war sehr gut und wohlhabend gekleidet, aber für das Wetter schien seine Kleidung viel zu warm und unpassend.
Ich schüttelte seine Hand und entgegnete ihm: „Hi, I am Korinna.“ Anschließend fragt er interessiert nach was ich hier machen würde und erklärt mir, dass er als Volunteer für die Regierung arbeitet. Er sei schon seit 4 Monaten hier und würde noch 8 weitere Monate auf Efate verbringen. Als ich ihn frage, ob er aus Australien kommt, habe ich sofort ins schwarze getroffen. Ich konnte die Akzente eines Australiers und eines Neuseeländers zwar noch nicht auseinander halten, da ich erst eine handvoll Neuseeländer in meinem Leben getroffen hatte, aber meistens lag man mit Australien, als Herkunftsland richtig, wenn jemand astreines Englisch sprach.

Außerdem erkundige ich mich, ob er seine Heimat vermissen würde und bin sehr überrascht als er überschwänglich entgegnet: „Oh ja total!“ Er gesteht  mir wie schwer es ihm ohne seine Familie fällt, und dass es zwischenzeitlich sehr hart sei allein zu sein. So würde er sich schon sehr freuen über Weihnachten für einen Kurztrip Heim zu fahren. An den Festtagen gäbe es für ihn in Vanuatu nichts zu holen und er bedeutet mir:“everything shuts down basically“. Zur Weihnachtszeit würde für einen gewissen Zeitraum in Vanuatu gar nichts mehr gehen, die Regierung würde in einen kompletten Stillstand verfallen und die Insel „Efate“ sei wie leer gefegt, da die Einwohner Efates alle zu ihren Heimatinseln fahren würden um dort ihre Familien zu besuchen.

Als David mich fragt woher ich kommen würde, lasse ich ihn raten, sein erster Verdacht fällt auf Neuseeland. Daraufhin muss ich, die noch nie in Neuseeland gewesen ist, lauthals lachen, ich schüttel belustigt den Kopf und verrate ihm, dass ich aus Deutschland komme.

Er zieht seine Augenbrauen hoch und erkundigt sich interessiert: „Wo aus Deutschland?“ Meistens antwortete ich auf diese Frage, dass ich aus dem Norden Deutschland´s kommen würde, aus einer Stadt namens „Bremen“. Dann schauen die Leute mich oft fragen an und ich merke, dass sie noch nie von meiner Heimatstadt gehört hatten. Wenn ich hinzufüge, dass die Stadt nahe Hamburg liegt nicken einige wissend mit dem Kopf. Wenn sie mich dann jedoch immer noch verdutzt anschauten erklärte ich ihnen, dass ich in Berlin studieren würde, woraufhin sie mich meistens anstrahlen und mit leuchtenden Augen sagen „Oh´ Berlin“.

So antwortete ich auch diesmal: „Aus Bremen…“ ich wollte gerade fortfahren um zu erläutern, wo sich die Stadt genau befand, da grätschte mir David jubelnd rein: „Aus Bremen? – Da habe ich mal für ein paar Jahre gelebt!“

Es war keine Seltenheit, dass mir ein Australier in der Ferne berichtete, dass er schon mal in Berlin gewesen sei oder durch Europa gereist sei, aber dass David bereits in Bremen, meiner Heimatstadt gelebt hatte, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. So fühlte ich mich auf eine Art und Weise unmittelbar mit dem älteren fremden Herren verbunden. Er berichtete mir noch schnell, dass er in Bremen irgendetwas in Richtung Politik gearbeitete hatte und dann war unsere kurze gemeinsame Busfahrt auch schon zu ende und ich musste aussteigen.

Bei solchen Begegnungen stellt man doch immer wieder verblüffend fest wie klein, die Welt doch eigentlich ist und wer weiß vielleicht bin ich David als Kleinkind ja zuvor schon mal auf den Straßen Bremens begegnet.

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