Ein Netzwerk und Offene Ohren

Bei dem Ausflug zur „Hide Away Island“ sprachen Annolyn und Serina, vom Volleyball Verband, über die Suspendierung einiger Mitglieder des Ausschusses von VASANOC durch das Ministerium höchstpersönlich.

Dies kann ich so offen mitteilen, da es wohl sogar in der Tageszeitung die Titelseite ausfüllte. Die Zeitung von dem besagtem Tag war mir leider entgangen. Ich war an dem Thema hochgradig interessiert, weil es mein Praktikumsumfeld unmittelbar betraf. Doch als sich Annolyn und Serina weiter über dieses Thema unterhielten, zogen sie es leider vor dies auf Bislama zu tuen. (Serina kommt von den „Samoa Islands“, lebt allerdings schon seit einigen Jahren in Vanuatu und beherrscht deshalb die Landessprache).

Ich versuche so gut es geht dem Gespräch zu folgen und schnappe immer wieder einige Englische Wörter auf, die jedoch nicht ausreichen um mir ein Gesamtbild der Situation zu verschaffen.

Als ich nachfrage warum genau die Mitglieder von dem Ausschuss suspendiert wurden geht keiner auf meine Frage ein. Ich startete einen neuen Anlauf, doch auch dieser gelingt mir leider nicht. So gebe ich mich damit zufrieden, dass wir heute zum Schnorcheln auf die Insel gekommen sind und nicht um tagespolitische Themen auszutauschen und nehme mir vor direkt am Montag Henry nach den Vorkommnissen zu fragen.

Der Besuch auf „Hide Away Islands“ hat mir gezeigt, dass es positiv ist seinen Kollegen bei privaten Unternehmungen näher zu kommen, und dass man so nicht nur mehr über sie sondern scheinbar auch über die Organisation für die man arbeitet erfahren kann.

In Deutschland ist die Linie zwischen beruflichem und privatem sicherlich stärker getrennt als hier in Vanuatu.

(So berichtete mir Stacy, dass das Berufsleben hier mit dem Privatleben ineinander übergeht, sich gerade zu miteinander vermischt und nicht zu trennen ist. Dies sei ihr, die es als Australierin gewohnt sei beruflichem vom privaten strikt zu trennen manchmal zu viel des Guten. Auch mit den Freundschaftsanfragen ihrer Kollegen auf facebook wüsste sie nicht viel anzufangen.)

Am Montag Morgen fragte ich Henry nach den Hintergründen der Schlagzeilen in der Tageszeitung von letzter Woche. Woraufhin er zu meiner großen Enttäuschung nur den Kopf schüttelte und meinte „That´s politics!“

Ich bin total verblüfft über diese Antwort, die meine Frage nicht wirklich beantwortet. So versuche ich mich vorsichtig auf einem anderen Weg noch einmal nach den Vorkommnissen zu erkundigen, da ich wirklich sehr gerne einen tieferen Einblick in VASANOC erhalten würde. Bei dem zweiten Anlauf gibt Henry nur ein stöhnen von sich und entgegnet mir knapp: „We have been sitting there with the minister for hours.“ Ich schaue ihn interessiert an und denke, dass dies ein einleitender Satz eines kurzen Berichtes wäre, doch diesem Satz folgt nichts mehr. Woraufhin ich wieder, wie so oft spüre, dass Henry unser Gespräch für beendet erklärt hatte, wobei es gerade erst begann.

So „offen“ ich versuchte meine „Ohren“ auf der Arbeitsstelle zu halten, war es wirklich nicht einfach an Informationen zu kommen.

Da die Türen, der Büros meiner zwei Mitarbeiter verschlossen waren und ich bei Sitzungen nicht erwünscht schien. Hinzu kam, dass ich nie genau wusste wie ich mit Henry kommunizieren sollte wenn es die Arbeit betraf. Neulich zum Beispiel zeigte er mir einen Ausdruck der Organisationsstruktur des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Ich war mit dem Organigramm vertraut und sehr angetan, dass er sich diese Struktur des DOSB aus meiner Heimat ausgedruckt hatte. Durch das Zeigen des Organigramms vermutete ich, dass er ein Gespräch mit mir anfangen wollte, worauf ich sehr gerne einging. So fragte ich ihn nach dem Grund für diesen Ausdruck.

Doch auf meine Frage hin, starrte er nur auf einen Bildschirm und hatte sich bereits im Gesprächsanfang einer anderen Sache gewidmet.

Es war bloß beruhigend zu wissen, dass es nicht nur mir so zu ergehen schien, sondern das alle Ausländer, mit denen ich bereits gesprochen hatte und die hier arbeiteten ähnlichen Erfahrungen in den ersten Monaten ihres Arbeitsverhältnisses gemacht hatten.

Am Ufer nach dem Grillen

Am Ufer nach dem Grillen

Trotzdem hatte ich es geschafft mir auf der Arbeitsstelle ein kleines Netzwerk aufzubauen und es war toll, Leute die ich auf dem „Advanced Sport Management Course“ kennengelernt hatte, im Büro wieder zu sehen. Auch in meiner Freizeit war es schön, das Gefühl zu haben, eingebunden zu sein. So unternahm ich mit meinen Mitbewohnern etwas am Wochenende, wir grillten, verabredeten uns zum DVD-Abend und gingen vor einer Woche zu dem Cocktailempfang der „Australian High Comission“. Durch diese Unternehmungen machte ich viele neue, interessante Begegnungen und Bekanntschaften.
Auch auf dem Markt oder in der Innenstadt traf man schnell Leute, die man flüchtig kannte und grüßte oder für einen kurzen Plausch inne hielt.


Breaking News:

Ich muss mich korrigieren. In meinem Blogeintrag „Eindrücke aus der Südsee“ hatte ich berichtet, dass das Schiffswrack erst seit einigen Wochen im Hafen von Port Vila liegt.

Es stellte sich jedoch heraus, dass sich das halb versunkene Schiff schon seit 2011 dort befindet und von Jahr zu Jahr ein Stückchen tiefer ins Meer hinein versank.

Mir war es am Anfang meines Aufenthaltes hier bloß nie aufgefallen, da es vom Stadtzentrum aus nicht so gut ersichtlich ist. Erst von der Terasse meiner Wohngemeinschaft, hatte ich einen direkten Blick auf das Schiff. Keiner fühlt sich für das Wrack verantwortlich und will Geld für den Abtransport zahlen, deshalb liegt es noch immer im Hafen.

sinkendes Schiff

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