Business und das Große Geld

Als ich mit Annolyn auf Hide Adaway Island war und sich eine chinesische Großfamilie neben uns ausbreitete, rümpfte sie die Nase und meint verärgert: „immer diese Chinesen“.

Anschließend klärt sie mich darüber auf, dass die Zuwanderungsrate der Chinesen in Vanuatu ihr zuviel wird, da sie hier in Massen aufkreuzen würden und jedes einzelne „Business“ in Port Vila besitzen würden. Sie seien so gut und stark im wirtschaften und würden als Verbund zusammen halten, dass in ihren Augen ein Ni-Vanuatu nie die Chance hätte selbst ein Business zu eröffnen.

Bis jetzt seien die Chinesen vorrangig in der Hauptstadt Port Vila angesiedelt, doch Annonyln äußerte die Befürchtung, dass sie sich auch auf den anderen Inseln „breit machen würden“. Da sie in Vanuatu gut leben könnten und es für sie von Vorteil sei, dass sie so der „Einkindpolitik“ entkommen würden und so viele Kinder kriegen könnten wie sie wollten.

Außerdem klärt Annolyn mich darüber auf, dass sehr viele Fördergelder aus China nach Vanuatu fließen würden.

Dies würde einerseits die Einwanderungszahl der Chinesen noch mehr ankurbeln, aber andererseits auch der Wirtschaft und Infrastruktur Vanuatus´s zu Gute kommen. Während unseres Gespräches zeigt sie fast ein wenig verwundert auf, dass die Chinesischen Ladenbesitzer fast alle das gleiche verkaufen würden, die Geschäfte aber trotzdem gut laufen würden. Und es stimmte, die Geschäfte der „Chinesischen Straße“ in Port Vila, einer der beiden einzigen Hauptstraßen, die durch die Hauptstadt führten hatten wirklich alle so ziemlich das gleiche Sortiment.

Die Businesse Vanuatu´s, bei denen das große Geld gemacht wird wie zum Beispiel die Touranbieter und die Hotels, liegen jedoch augenscheinlich meist in die Händen von Franzosen und Australiern. Doch über sie verliert Annolyn kein Wort und beschwert sich nicht.

Annolyn erklärt mir weiterhin, dass man auf den Inseln nur vom Eigenbau leben würde und dass man dort so gut wie kein Geld zum Leben bräuchte. Das Leben in Port Vila hingegen, würde sich stark von dem Leben auf den Inseln unterscheiden, da es für die Einheimischen sehr teuer sei. Außerdem gebe es noch viele Inseln, die sehr abgeschieden sind, nicht angeflogen werden und die man nur schwer mit dem Schiff erreichen kann. Nach den Erzählungen von Annolyn überlege ich, ob dies vielleicht der Grund dafür ist, dass die Ni-Vanuatu´s, keinen wirklichen Geschäftssinn besitzen und die großen Geschäfte ihres Landes nicht in ihrer Hand zu liegen scheinen. Denn wozu sollte man eine Kultur des Handelns und des Wirtschaften´s entwickeln, wenn man ausschließlich von seinem Eigenanbau leben kann?

Die Idee ausschließlich von seinem Eigenanbau zu leben, unabhängig von der Konsumgesellschaft, und ohne Geld auszukommen fasziniert mich und ich frage mich, ob ein solches Leben auch in Deutschland möglich wäre?

Aushang: "Make your business..."

Aushang: „Make your business…“

Zwei Tage nach dieser Unterhaltung, fällt mir vor dem Markt für Handarbeiten ein Aushang ins Auge, der mit dem Titel „Make your Business – Hit the Mark“ für einen kostenfreien Workshop für Vanuatu´s Business women wirbt, in dessen Rahmen ein „financial training“ angeboten wird. Außerdem erzählte mir Stacy, eine Freundin meiner Mitbewohner, dass sie auf der Insel Numea, als Volunteerin den Marktfrauen hilft ihre Handarbeiten gewinnbringend zu verkaufen und für die Zukunft zu planen. So scheint es einen beginnenden Wandel in Vanuatu´s Business Welt zu geben, bei dem die Ni-Vanuatu´s ihre Geschäfte selbst in die Hand nehmen.

Dies mag mit ihren eigenen Handarbeiten anfangen, doch wer weiß wohin sich die Ausbreitung des anfänglichen Geschäftssinns entwickeln mag…

 

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