Kriminalität und Gewalt

Vor ein paar Wochen teilte mir Sarah mit, dass nach ihrer Meinung der Zugang zu den neuen Medien und die Nutzung des Internet´s die Ni-Vanuatu´s kaputt machen würde.

So würde ihnen dadurch vor Augen geführt „wie man auch leben könnte“, dies würde ihre Habgier steigern und dazu führen, dass auch sie „mehr und mehr haben wollen“ würden.

Auf den Straßen Port Vila´s wurde ich noch nie angebettelt und einen Obdachlosen habe ich in den gesamten 10 Wochen meines bisherigen Aufenthaltes hier nicht zu Gesicht bekommen.

Annolyn erklärte mir, dass es keine Obdachlosen geben würde, da die Leute, die es in der Stadt nicht schaffen würden sich durch zusetzten und dort ein Leben aufzubauen wieder in ihre Dörfer zurück kehren würden und dort von der Gemeinschaft aufgenommen werden. Dieses Gefühl des Gemeinschaftssinnes sowie des Zusammenhalts imponiert mir wirklich sehr. Das hier nicht weg geschaut wird, wenn eine Person am Rande der Gesellschaft steht sondern das ihr geholfen wird. Das sich diese starke Zugehörigkeit der Dorfgemeinschaft, jedoch (zumindest aus der Sicht der westlichen Weltanschauung) auch negativ auf einen auswirken kann sollte ich später noch erfahren.

Anfangs habe ich vor allem auf dem Markt besonders auf meinen Rucksack geachtet und ihn immer mit zwei kleinen Vorhängeschlössern versehen, damit niemand unbemerkt die Taschen meines Rucksacks öffnen könnte. So habe ich aus der Erfahrung in der Mongolei, wo man mich viermal versucht hat zu beklauen, gelernt und wollte es in Vanuatu dringlichst umgehen diese Erfahrung auch hier zu machen.

Wie sich herausstellte scheint es in Vanuatu jedoch kaum einen einzigen Taschendieb zu geben.

Mir wurde berichtet, dass wenn man beklaut wird, Diebe eher ins Auto oder ins Haus einbrechen würden, als einen direkt auf offener Straße zu bestehlen. Mittlerweile habe ich keine Bedenken mehr, dass sich jemand an meiner Tasche zu schaffen machen würde, wenn ich sie am Körper trage. Auch wenn ich auf meine Spiegelreflexkamera natürlich immer besonders acht gebe, genauso wie ich es in jeder anderen Hauptstadt der Welt tuen würde.

So muss man in Berlin in der U-Bahn sicher mehr auf seine Tasche aufpassen als im Stadtzentrum von Port Vila.

Zudem läge es den Marktfrauen fern mich über´s Ohr zu hauen, da es fixe Preise gibt. Einmal wurde ich sogar zurück gerufen, als ich vergessen hatte das Rückgeld entgegen zu nehmen.

Auf einer meiner Ausflüge berichtete mir ein Einheimischer einmal, dass Kriminalität nicht nur von der Justiz sondern auch von der Selbstjustiz bestraft werden würde. So würden in Vanuatu, die Bestrafung der Dorfgemeinschaften mit den Äußerungen der Polizei zu einem Delikt Hand in Hand gehen, womit die kulturellen Bräuche mit der westlichen Justiz vereint wären. So würde ein Fall bei dem die Polizei nicht weiter wüsste zurück an´s Dorf gegeben und umgekehrt.

Bei dieser Erläuterung faltete er seine Hände zusammen um die Einheit des westlichen Gedankengutes mit den Traditionen der einzelnen Dorfgemeinschaften zu verdeutlichen.

Ich fragte ihn interessiert, wie sich die Selbstjustiz der Dörfer äußern würde und konnte dabei eine leise schockierte Vorahnung in meiner Stimme nicht verbergen. Der Mann zuckte mit den Achseln und meinte, dass dies in jeder Dorfgemeinschaft anders sei, da jedes einzelne Dorf seine eigenen Bräuche und Traditionen hätte. Aus dem Dorf aus dem er kommen würde, müsste man ein Tier opfern und sehr viele Abgaben zahlen auf Tanna hingegen sei man allein einem Kampf mit mehreren Männern ausgeliefert, in dem man sich behaupten müsste.

Die Gewalt an Frauen, jedoch scheint hier üblich zu sein und an der Tagesordnung zu liegen, so dass sie nicht bestraft wird.

Neulich berichtete mir jemand, dass die Zahl der häuslichen Gewalt in Vanuatu bei 70% liegen würde, dem ich kaum Glauben schenken wollte.
Andrew, der Volunteer des Volleyball Verbandes erzählte mir, dass eine der National-Volleyballspielerinnen neulich nicht zum Training erschien, da sie am Tag zuvor von ihrem Mann geschlagen wurde. Dies wurde ihm von einer Co-Spielerin nebenbei und flüchtig berichtet, so als ob es das normalste der Welt sei.

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